28. Juli: Reisezeit
Heute geht's los. Also um 7:00 aufstehen zum wahrscheinlich längsten Tag... Ich bin mittlerweile richtig nervös und aufgeregt. So ein Transatlantikflug lässt mich doch nicht so kalt, wie ich ursprünlgich dachte ;-)Nach meinem letzten gemeinsamen Familienfrühstück (obwohl ich sagen muss, dass Benedict fehlt, da er ja noch in Schweden ist) geht um 8:30 los Richtung D'dorf Flughafen. Und der Wagen ist voll! Papa, Mama, Daniel und Danni, meine Wenigkeit und meine beiden Koffer (23 kg und 19 kg). 10:55 ist die geplante Abflugszeit nach Paris de Gaulle - Airport. Also ein letztes Mal von allen verabschieden und ab durch die Sicherheitskontrolle. Wie sich dann aber rausstellt hat der Flug etwa eine halbe Stunde Verspätung, so dass ich noch ein Foto vom Flugzeug machen kann.
Weiterflug nach Boston
Angekommen in Paris muss ich überlegen, wie ich die Wartezeit verbringe, da mein Anschlussflug erst um 15:55 starten soll. Aber irgendwie ging's ganz gut. An Bord muss ich dann feststellen, dass AirFrance es nicht so mit Pünklichkeit hat, denn auch dieser Flug startet erst mit Verspätung, dieses Mal eine Stunde (Auf dem Bild rechts seht ihr übrigens das letzte Stück Europa, was ich für lange Zeit zu sehen bekam).
Sonderbarerweise schafft der Pilot es dennoch, fast pünktlich um 18:00 in Boston zu landen (Ortszeit versteht sich; für mich war das bereits Mitternacht)Im Flugzeug habe ich das Vergnügen neben Marialis zu sitzen. Sie ist Argentinierin, hat gerade ein halbes Jahr in irgendeinem Teil des ehemaligen Yugoslawien verbracht, und studiert social sciences and gender studies irgendwo in Maine. Wir unterhalten uns über alles Mögliche, angefangen bei touristischen Attraktionen NewEnglands bis hin zur politischen Weltlage (Israel und der Libanon sowie die anhaltenden Konflikte in Serbien.) Und kurz vor der Landung drückt sie mir dann einen Zettel mit ihrer EMail-Adresse in die Hand. Ich könnte mich ja melden, wenn ich vielleicht nach Maine rauffahren sollte. Na, das werde ich doch bestimmt machen.
Die Einreise
Nachdem ich meine Koffer zurück bekommen habe (zum Glück sind auch wirklich beide unversehrt angekommen), kommt die eigentliche Hürde, die Einreise und der "Immigartion Officer". Wird er mir komische Fragen stellen oder vielleicht sogar mein Visum in Frage stellen? Ich habe da ja Geschichten gehört...
Aber als ich dann dran bin, geht doch alles einfacher als gedacht: Überprüfen des DS-2019, Fragen nach Länge und Zweck meines Aufenthaltes, Abnehmen der Fingerabdrücke. Und dann "Welcome to the United States". Geschafft!
Aber man soll den Tag ja bekanntlich nicht vor dem Abend loben. Denn ein paar Meter weiter ist da ja noch eine Hürde - der Zoll. Und dort werde ich dann rausgewunken. Wenn ich jetzt meinen Koffer aufmachen muss, dann gibt das eine Katastrophe. Nicht, dass ich was schmuggeln würde oder so, aber wenn ich den jetzt aufmache, dann bekomm ich den nicht mehr zu... Schließlich haben Papa und ich den am Vorabend nur mit vereinten Kräften geschlossen bekommen. Also: Was tun? Waffe ziehen und Amok laufen? Bestechungsversuche machen? Oder einfach abwarten...
Wie sich herausstellt werden die Koffer vor dem Öffnen erst durchleuchtet, und da dort anscheinend nichts das Interesse der Zollbeamten weckt (ist ja auch nichts da) kann ich weiter, ohne die Koffer öffnen zu müssen. Geschafft!
Taxidriver
Als ich den Flughafen dann verlasse gießt es in Strömen. Außerdem sind meine Koffer doch ganz schön schwer. Deshalb - und weil es mittlerweile 7:00 pm EST (Eastern Standard Time) (= 01.00 MESZ) - beschließe ich, nicht mit der U-Bahn in die Stadt und von dort aus den Zug zu meinem Quartier zu nehmen, sondern mit dekadenter Weise ein Taxi zu nehmen. Dummerweise kennt der Taxifahrer nicht "15 Weldon Road". Ich soll ihm also erklären, wo das wäre. Als ob ich schon mal in Boston gewesen wäre... zum glück habe ich einen kleinen Kartenausschnitt mit, so dass ich ihm die grobe Richtung angeben kann und wir erst mal losfahren. In Newton - so heißt der Vorort in dem ich nun wohnen werde - angekommen lotse ich ihn mit Hilfe der Karte zum Ziel. 55 $ bezahl ich für den Spaß; was immer noch besser ist, als durch die Stadt zu irren, ohne zu wissen, wie man nun ankommen soll...
Angekommen
Kaum ausgestiegen werde ich mit einem "Hörzlik Wellkommen" begrüßt. Mein "Gastvater" - Dr. Michael Johnson - hat, wie sich herausstellt, 1962 für 6 Monate zuerst in Heidelberg und dann in Wien Physologie studiert. Und genauso herzlich werde ich von Fran, seiner Frau und Zoe, dem Hund des Hauses begrüßt... Nach einer kurzen Begrüßung zeigt Fran mir mein Zimmer, dass ich fast als luxuriös (mit eigenem Kühlschrank und WLan) bezeichnen möchte, aber urteilt selbst, denn ich habe an meiner Kamera die Panorama-Option entdeckt. (Mhh, das mit dem Hochladen funktioniert gerade nicht. Kommt dann nach)
Und zum Abendessen werde ich auch noch eingeladen. Ich glaube, hier habe ich eine gute Unterkunft erwischt. Auch bin ich ihr erster Gast, so dass wir gegenseitig alles ausmachen können, wie wir wollen, ohne dass ich sozusagen schlechte Eigenschaften von Vormietern ausbügeln müsste. Ich werde hier nun ins Bett fallen, schließlich ist es schon halb zehn, dass bedeutet, dass es in Deutschland halb vier in der Nacht ist...
Ein langer Tag geht also zu Ende.
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