31. Juli: Harvard - ich komme!
Heute wird mein erster Tag im Lab sein. Auf meine Mail, wann ich wo sein soll habe ich bisher keine Antwort bekommen. Ich stehe also mal so gegen 6:30 auf und mache mich fertig. Fran ist total lieb und macht mir für Mittags noch ein kleines Lunchpacket (sogar mit frischem Obst). Mit einem Gefühl im Bauch wie es sonst wahrscheinlich nur kleine Jungs am ersten Schultag haben, mache ich mich dann mit meinem gestern erstandenem Rennrad (!) gen T-Station "Newton Center" auf. Da ich die Strecke ja noch von gestern im Kopf habe, schaffe ich sie heute sogar in nur 10 Minuten. Der Zug ist dann übrigens wie alles hier klimatisiert, so dass es erst einmal kalt wird. 20 Minuten später (das ging gestern aber schneller) erreichen wir "Longwood Avenue", benannt nach eben jener Straße, die die "Harvard Medical School" (HMS) beheimatet! Doch der Fussweg bis dorthin ist immer noch ca. 10 Minuten lang. Aber die Zeit kann ich ja schon mal nutzen mir zu überlegen, wie ich am Eingang an der Wache vorbei komme.Dort angekommen versuche ich ihm klar zu machen, dass dies mein erster Tag meines Praktikum ist. Wir machen dabei zwar Fortschritte, aber irgendwie scheint das länger dauern zu können. Doch wer kommt genau in diesem Moment zur Tür rein? Tom Rapoport, der Lab-Chef. Die Gelegenheit nutze ich direkt, begrüße ihn und lasse mich direkt nach oben mitnehmen! Da habe ich ja Glück gehabt.
Introduction
Tom nimmt sich dann direkt auch die Zeit mich durchs Labor zu führen. Das "Rapoport-Lab" besteht, so weit ich das bisher sehen kann, nur aus zwei Großraumlaboren, die allerdings zusammen bestimmt 15 Mann aufnehmen können.
Danach bekomme ich von ihm eine kleine inhaltliche Einleitung. Er rekapituliert kurz ERAD (ER associated degradation) mit all seinen zahlreichen Proteinen. Ganz ehrlich: wer meint am normalen ER-Transport seien viele Faktoren beteiligt, der soll mal mit ERAD anfangen... Wie auch immer: Ich bekomme noch einige Paper in die Hand gedrückt, die ich lesen soll (wobei die beiden Cell-Paper nicht älter als eine Woche sind, eins davon von Tom und meinem zukünftigen Supervisor Pedro Carvalho (Carvalho et al. 2006 Cell 28;126(2):361-73))
So verbringe ich den Vormittag also mit Lesem von Papern.
Lunchtime
Pedro fragt mich dann irgendwann, ob ich mitkommen möchte. Er und einige andere wollen raus zum Lunch, dass heißt wir versuchen draußen am Rand der Wiese einen freien Tisch zu bekommen, um unsere Lunchpakete zu verspeisen (die meisten haben sich was mitgebracht...). Doch da ist nichts zu machen. Nicht zur Mittagszeit bei diesem herrlichen Wetter... So sitzen wir also auf der Freitreppe von "HMS Gordon Hall". Auch nett.
Pedro stellt mich dann den Leuten vor, aber so richtig ins Gespräch kommen wir nicht. Na ja, vielleicht später.
Nachmittags lerne ich dann noch Rafah kennen. Er ist PhD-Student und war für eine Lab-Rotation im Rapoport-Lab. Und ich werde seine Arbeiten fortsetzen. Er erzählt also, was er bisher gemacht hat und wie der Stand der Dinge ist. Und jetzt erfahre ich auch, worum es in meinem Projekt gehen wird. Pedro und er versuchen den Prozess der Substratubiquitinierung im Anschluss an den Retrotranslocationsprozess zu rekonstituieren. Dafür muss allerdings erst ein System in S. cerevisiae (ich werde diese Biester also auch in Boston nicht los ;-) ) etabliert werden, bei dem Membranen mit angereichertem Substrat aufgereinigt und dann mit Cytosol verschiedener Stämme komplementiert werden.
Bevor dann für den Tag erst einmal Schluss ist, setzen wir noch Kulturen für morgen an. Und oh ha, Ulrike, Du wärst entsetzt, wie hier Hefen gehandhabt werden: Da ist nichts mit Clean-Bench oder so. Rafah benutzt nicht einmal Handschuhe. Und die Platten oder Medien werden auch nicht gekühlt gelagert, sondern stehen (auch für längere Zeit) einfach so auf der Laborbank. Entweder haben wir das in Lübeck übertrieben, oder die hatten hier bisher einfach nur viel Glück, dass die sich keine größeren Kontaminationen eingefangen haben. Ich bin mal gespannt, wie das werden wird.
Feierabend
Gegen 18:00 bin ich dann aus dem Labor raus; mein erster Tag ist zu Ende, also zurück nach Newton. Fran wollte Abendessen machen, zu dem ich herzlich eingeladen bin, falls ich rechtzeitig da bin. Was aber kein Problem sein sollte, denn immerhin steht in NewtonCenter ja mein Rennrad... Was ich vergessen hatte war allerdings, dass wir auf einem Hügel wohnen. Die letzten 300 Meter sind also noch einmal harte Arbeit...
Doch immerhin bin ich noch rechtzeitig! Beim Abendessen muss ich dann ausführlich von meinem ersten Tag berichten, bevor ich irgendwann endlich ins Bett komme.
1 Comments:
Hi Michael, wir verfolgen mit Ver
gnügen Deine Berichte!! Du mußt mal nachsehen, was in den Hefekulturmedien für Zusätze drin sind! Grüße aus L126
Ulrike
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