Samstag, August 05, 2006

05. Aug: geheiligter Boden

Nach der Party gestern muss ich heute erst einmal ausschlafen. Nicht, dass mich das geschafft hätte, erst um zwölf im Bett zu sein, aber allzuviel Schlaf habe ich die Woche über nun auch wieder nicht bekommen.

Nach einem ausgiebigen Frühstück mache ich mich dann gegen mittag auf in die Stadt. Da ich immer noch keine Monatskarte für die U-Bahn habe, muss ich nach wie vor drei Dollar dafür berappen. Also kaufe ich mir in der Stadt (bei uns draußen kann man die nun einmal nicht kaufen) am Automaten mein August „CharlieTicket“ für T-Line und Busse. Dies ist der erste Kauf, den ich mit meiner Credit-Karte (Visa-Gold!!!) tätige. Und das geht total einfach und ohne Geheimzahl. Das heißt, ich muss aufpassen, dass mir die keiner klaut.

Für heute stehen mehrere Dinge auf dem Programm: Zunächst werde ich meinen „Walk of the Freedom Trail“ vom letzten Sonntag beenden, um dann nach Cambridge zum Harvard-Campus zu fahren. Und abends möchte ich dann noch mal im Boston Common – dem großen Stadtpark – vorbei schauen, denn ich habe gelesen, dass um acht dort eine "for free" Shakespeare Aufführung sein wird. Also: auf geht’s!

Der „Freedom Trail“ führt mich also in den Ortsteil Charlestown, genauer gesagt zur alten Boston Navy Werft, die mittlerweile außer Betrieb genommen wurde und Hauptbestandteil des Boston National Historical Park ist. Zu sehen gibt es hier zum einen die USS Constitution. Das ist ein altes Kriegsschiff aus dem Jahr 1797, das – soweit ich das verstanden habe – immer noch im Dienst ist. Außerdem kann man hier noch die USS Cassin Young, einen Zerstörer aus dem zweiten Weltkrieg, besichtigen. Das hier wäre auf jeden Fall was für Daniel (hey, ich habe nur für Dich einige Fotos extra gemacht…)

Dann geht’s weiter zum Bunker Hill Monument, wo vor einigen hundert Jahren (na ja, so lange – verglichen mit europäischer Geschichte – kann das ja noch nicht her sein (-; ) die Amis für die Freiheit gegen die Briten gekämpft haben. Wer diese eine Schlacht hier nun wirklich gewonnen hat, ist aber aus meiner Sicht nicht so ganz klar… Leider ist das Monument wegen Restaurierungsarbeiten den ganzen Sommer über geschlossen. Schade, denn die Aussicht von dort oben muss super sein. Nachdem ich noch ein wenig durch die vielen kleinen Gassen von Charlestown geschlendert bin, mache ich mich per U-Bahn auf nach Cambridge, wo sich die sagenhafte “Harvard university” befindet. Man merke an dieser Stelle an: Cambridge ist eine eigene Stadt und gehört streng genommen nicht zu Boston, während die Harvard Medical School wiederum in Boston steht… (Nur so am Rande)

Harvard Campus ist dann auch der Name der U-Bahn Station. Bevor ich jedoch den Campus betrete gehe ich erst einmal in eine kleinen, aber sehr netten Caffee Mittag (es ist mittlerweile fast 17:00) essen. Und wieder einmal bin ich von den Preisen verblüfft: Ein grilled chicken sandwich mit einem Glas Eistee kosten mich fast 10 Dollar. Aber was soll’s? Ich habe Urlaub; zumindest heute.

Und dann ist es endlich so weit: Ich betrete den „geheiligten“ Boden der Harvard University. Und natürlich mache ich jede Menge Fotos, inklusive dem einen, dass jeder Tourist hier macht: Ich neben der Statur von John Harvard, der - nebenbei gesagt - nicht der Gründer der Universität ist. Im „Lonely Planet“ steht dazu:
"Daniel Chester French's sculpture (eben diese), inscripbed 'John Harvard, Founder of Harvard College, 1638,' is known as the statue of three lies: (1) it does not actually depict Harvard (since no image of him exist), but a student chosen at random; (2) John Harvard was not the founder of the college, but its first benefactor in 1638; (3) the college was actually founded two years earlier in1636. The Harvard symbol hardly lives up to the university's motto, Veritas, or 'Truth.' " Damit wäre wohl alles gesagt.

Ich glaube, ich werde irgendwann auf jeden Fall noch mal hierhin kommen und eine geführte Tour über den Campus machen...

Nachdem ich eine ganze Weile auf dem Campus war fahre ich zurück in die Stadt. Im größten städtischen Park, dem Boston Common, gibt nämlich den ganzen Sommer über abends Open Air Aufführungen von Shakespeare Werken. Dieses Jahr: The Taming of the Shrew (Der Widerspenstigen Zähmung). Man muss sich das wie folgt vorstellen: Am Rand des Parks steht hier eine riesige Bühne. Und davor haben sich bereits unzählige Besucher auf dem Rasen nieder gelassen, viele mit kleinen Campingstühlen oder Picknickdecken. Das ist hier mehr wie eine große Grillparty (nur ohne Grill) als wie Theater. Eben ein “Event”.

Und so ist dann auch die Inzenierung: Zwar ist The Taming of the Shrew eine Komödie, doch hier verwandelt es sich eher in Slapstick... Amüsant und unterhaltsam, aber eben nicht das, was ich von Shakespeare Aufführungen gewohnt bin. Dennoch war es ein netter Abend. Gegen Mitternacht komme ich dann nach Hause zurück (ich hatte mir übrigens wirklich ein Fahrradlicht für “nur” 12 Dollar gekauft, so dass ich relativ sicher nach Hause gekommen bin...)