Mittwoch, Oktober 04, 2006

04. Okt: On the road

Das letzte Erwachen in diesem Haus. Ich bin rechtzeitig aufgestanden, dass ich auch wirklich heute noch alles geschafft bekomme, was ich vor der Abfahrt machen muss. Denn ich will Fran und Mike z.B. kein dreckiges Geschirr zurück lassen. Doch um Punkt elf bin ich wirklich mit allem fertig! Wow. Und Alex lässt auch nicht lange auf sich warten, so dass wir zeitig loskommen. Vor uns liegen gut 500 km Strecke. Aber da wir uns fast die ganze Zeit über unterhalten, vergeht auch diese Zeit ganz gut. Alex – als gebürtiger Montréalese (oder so) – gibt mir eine Einführung in die bewegte Geschichte Montréals, Québécks (der Provinz) und Kanadas. Sehr interessant. So lerne ich z.B., dass Kanada erst Anfang der '80 Jahre eine Verfassung erhalten hat. Dieser Verfassung haben damals alle Provinzen bis auf Québéck zugestimmt, was dem britischen Parlament genügte, um sie in Kraft zu setzen, was aber hier in Kanada verständlicherweise immer wieder zu politischen Auseinandersetzungen führt. Und so ist die letzte Volksabstimmung über die Unabhängigkeit Québéck gar nicht so lange her.

Aber bevor ich Kanada kennen lerne, fahren wir erst einmal durch New Hampshire. Sehr viel Gegend in dieser Gegend. Aber da der Herbst beginnt, sind die Wälder hier bereits alle sehr bunt gefärbt. Und diese Farbenvielfalt ist wirklich beieindruckend! Gegen eins halten wir zum Mittagessen an einem kleinen Restaurant, das typisch amerikanisch geführt wird. Sehr gut gelaunte Bedienung, die einen überschwänglich empfängt, gute Burger und die Rechnung auf dem Tisch, bevor man fertig ist.

Die nächste Frage auf der Reise stellt sich dann, an der kanadischen Grenze. Denn auch wenn man mir gesagt hat, dass die Einreise eigentlich kein Problem sein sollte, so bin ich noch immer gespannt, ob die mich wirklich ins Land reinlassen. Zwar dauert es zwar etwas bei der Einreise, aber ich bekomme doch dann ein großes Visum in den Ausweiß getackert. Allerdings werde ich das nicht behalten dürfen, sondern bei der Ausreise wieder abgeben müssen!

Von der Grenzstation rufe ich dann schon mal meinen zukünftigen Vermieter an, damit ich in die Wohnung komme. Alex ist so nett und bringt mich direkt zu der Adresse, die ich bekommen habe. Doch als wir die gefunden haben, ist keiner da. Allerdings steht in der Wohnung ein Telefon (die Wohnung war absolut unverschlossen, so dass wir einfach so rein kamen) und ich rufe noch mal an. Die Antwort lautet, dass er in zehn Minuten da wäre... Also warten wir. Als nach einer halben Stunde immer noch keiner da ist, versuche ich es erneut, mittlerweile schon ziemlich genervt (denn die Wohnung, in der wir sind ist – milde gesagt – ein absolut heruntergekommenes Drecksloch). Und dabei stellt sich dann heraus, dass ich gar nicht an meiner Wohnung bin, sondern an der meines Vermieters. Er hatte mir diese Adresse geschickt, damit ich ihm das Geld senden kann, aber mit keinem Mucks erwähnt, dass diese Adresse abweichend von der Wohnungsadresse ist. Na das ist ja was...

Also fahren wir zur eigentlichen Wohnung, die nur zwei Blocks weiter ist. Leider sieht es dort auch nicht so rosig aus. Denn die Wohnung erscheint irgendwie wie eine Baustelle. Und das Zimmer, das meins sein wird hat noch nicht einmal ein Schloss an der Tür. Aber das heute noch erledigt werde, wird mir versprochen. Und die fehlenden Regale werde halt morgen dann eingebaut. Ach so. Mir ist das ganze nicht ganz geheuer, aber was soll ich machen. Alex merkt man an, dass er auch kein so gutes Gefühl hat, mich hier zurück zu lassen. Er bietet mir sogar an, dass ich mit zu seien Eltern fahren kann, oder dass ich morgen vorbei kommen kann, wenn ich möchte.

Aber so schlimm ist es nun auch nicht.

Das Zimmer ist halt nicht all zu groß. Und deswegen ist es wahrscheinlich auch ganz gut, dass nicht viel drin steht. Ich habe halt nur einen Schreibtisch nebst Stuhl und ein Bett. Außerdem hängt ein kleiner Schrank (mit der Größe eines Badezimmerschranks) hier. „Netterweise“ bekomme ich eine Wolldecke für die erste Nacht geliehen, denn das Bett hat weder Kopfkissen, noch Decke oder so. Aber auf so etwas hinzuweisen ist ja nur bedingt notwendig, oder?

Irgendwann komme ich dann wirklich dazu mich hinzu legen. (Mittlerweile hat die Tür auch ein Schloss) Aus meinen Koffern habe ich nur das notwendigste ausgepackt. Denn der „Plan“ sieht so aus, dass ich mir morgen mein bestelltes Auto abhole und dann erste einmal aus Montréal verschwinde. Und am Wochenende baut M. Andrew (er ist – was er so alles erzählt hat – aus der Ukraine und eigentlich Wissenschaftler, allerdings findet er keine Gelder für sein Projekt, so dass er sich nun damit über Wasser hält, dass er Wohnungen anderer Leute vermietet) dann die Schränke ein, so dass am Montag alles fertig ist, wenn ich zurück komme.