22. Okt: TamTam
Sonntag morgen. Doch anstatt auszuschlafen stehe ich mal wieder früh auf. Und zwar nicht, um direkt aufzubrechen, nein, ich warte darauf, dass M. Andrew kommt und meine Heizung ausbaut, um einen anderen Heizkörper einzusetzen. Was das soll verstehe ich nicht ganz, aber immerhin konnte ich ihn gestern davon abbringen noch um zehn Uhr abends damit anfangen zu wollen. Überraschenderweise ist er dann wirklich um neun Uhr da und fängt an. Damit hatte ich nicht gerechnet. Umso besser. Ich mache mir in der Zeit erst einmal gemütlich Frühstück, mit Eiern, Baguette und Tee. Zufällig kommt Mario - der Deutsche aus der Wohnung unter uns - nach oben (ihm war langweilig) und so frühstücken wir gemeinsam und quatschen. Nach zwei Stunden (ungefähr) ist M. Andrew dann auch wirklich fertig. Und er versucht sogar sauber zu machen. (Allerdings nur mit mäßigem Erfolg) Ich kann also endlich los. Mario hat beschlossen mitzukommen, Alex - der Russe - will uns später in der Stadt treffen.Unser erstes Ziel ist Mont Royal, genauer gesagt, ein Platz, wo die "berühmten" TamTam-Konzerte statt finden. Vor allem im Sommer treffen sich hier Hippies (?) oder andere Gestalten und veranstalten gemeinsame Trommel-Séances. Jetzt im beginnenden Winter ist natürlich nicht so viel los, aber ein gutes halbes Dutzend hat sich dennoch eingefunden und trommelt.
Ich kann mir vorstellen, dass das hier im Sommer eine ganz nette Atmosphäre gibt, auch für "Normalos", die einfach nur auf der Wiese picknicken. Heute jedoch ist es trotz Sonnenschein einfach zu kalt, um allzu lange zu zuhören.
Wir gehen also weiter in Richtung McGill-Sportstadium. Mario hat hier viel Fussball gespielt und will versuchen, irgendwo ein McGill-Fussballtriko zu bekommen. Im Stadium findet gerade ein Football-Spiel statt. Allerdings sind kaum Zuschauer da. Mir bleibt außerdem wiedermal der Sinn und die Regeln dieses Spiels verborgen...
Und die Kälte treibt uns weiter (die Sonne ist durch eine dichte Wolkendecke abgelöst worden), vor allem da wir Alex vorm Stadium treffen wollen.
Zusammen ziehen wir dann weiter Richtung "Plateau". Mario meint unterwegs, dass er unbedingt zu einem bestimmten Fleischer in der Gegende müsste. Er hätte schon so viel davon gehört und die wären so gut... Und der ist auch ganz einfach zu finden, denn vorm Geschäft steht eine lange Schlange. Und als ich den Namen sehe, erinnere ich mich, dass Dirk auch gesagt hatte, wir müssten unbedingt mal zu "Schwartz" essen gehen. Die hätten das beste "smoked-meat" in Montréal... Und so stellen wir uns dann also an. Was ich erschreckend finde ist, dass in den ungefähr zwanzig Minuten, die wir warten müssen, mehrmals Jugendliche arabischer Abstammung vorbeikommen, die sich sehr abfällig äußern ("Eßt nicht hier, wenn ihr überleben wollt") oder eindeutige Gesten machen. Und das nur, weil es sich um ein hebräisches Geschäft handelt.
Nachdem wir bei Schwartz dann unser Smoked-meat-sandwich bekommen haben (war nicht schlecht, aber nun auch nicht wieder so toll, dass ich die lange Schlange vorm Laden erklären könnte), gehen wir ein bißchen durchs Plateau und trinken dann zum Aufwärmen einen heißen Kakao.
Alex schlägt vor, dass wir mit der Metro noch zum Park "Jean Drapeau" fahren. Dort fand 1967 die EXPO in Montréal statt, wovon der amerikanische Pavillion stehen geblieben ist: eine riesige Metallkugel - die "Biosphère"- in der sich eine Ausstellung zur Ökologie des St. Laurents Stroms befindet. Allerdings ist uns der Eintritt mit 8$ dann doch etwas zu viel. Außerdem machen die auch eine halbe Stunde später schon zu.
Zum Schluß machen wir noch einen Abstecher zum Casino-Montréal, das sich auch hier im Park befindet. Ein riesiger Bau mit dem Aussehen eines gestrandeten Schiffes, angefüllt mit Spielautomaten, Roulette- und BlackJack-Tischen. Wir gehen da einmal durch und sind uns einig, dass die Gestalten dort doch eigentlich nur zu bedauern sind. Wie langweilig muss einem sein, dass man sein ganzes Geld dort quasi verpulvert? Ein Blick in die ausdruckslosen Gesichter der Spieler unterstreicht diesen Eindruck dann auch. Und dabei sind die Mindesteinsätze nicht wenig. Unter 50$ kann man da kein Spiel machen...

Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder...
(v.l.n.r) Mario, Alex und ich
0 Comments:
Kommentar veröffentlichen
<< Home