04. Nov: Ein Tag in drei Akten
Erster Akt: Aufstehen und Frühstück
Für heute hat der Wetterbericht Sonnenschein vorausgesagt. Das wäre für ein Wochenende mal was neues. Aber genau aus dem Grund verschiebe ich das lange Schlafen auf ein anderes Mal. Und das scheint auch ganz gut, denn auf diese Weise bekomme ich mit wie Mario alle aus den beiden Wohnungen, die schon wach sind zum Frühstück einlädt. Denn für ihn ist heute Abreise – sein Flieger geht um 17:00. Also gehen wir zu fünft hier in Verdun in ein Frühstückscafé. Ein wunderbarer Start in den Tag, auch wenn ich es schade finde, dass Mario schon zurück fliegt. Ist ja doch ein netter Kerl.
Zweiter Akt: Unterwegs
Wie es scheint, hat der Wetterbericht recht behalten. Ich habe mich deshalb entschlossen einen Ausflug zum Olympiapark und dem angrenzenden Botanischen Garten zu machen. Denn im Regen würde das mal überhaupt keinen Sinn machen.
Das Olympiastadium wurde zu den olympischen Spielen 1976 erbaut, die hier in Montréal veranstaltet wurden. Heute kann man auf den Turm des Stadiums – der übrigens erst in den 80'er Jahren fertig gestellt wurde – hinauf fahren und einen Blick auf die Stadt werfen. Ich bin allerdings nicht der Meinung, dass sich das so lohnte. Denn zum einen ist man nur drinnen und muss durch getönte Glasscheiben schauen, zum anderen hat man eine ähnliche Sicht, wenn man vom Mont Royal auf die Stadt blickt. Und das ist umsonst.

Der Botanische Garten war dann auch nicht so beeindruckend, was aber vor allem an der Jahreszeit lag. Im Frühling oder Sommer muss es hier allerdings traumhaft sein. Denn auch jetzt im Herbst kann man die Anlage der verschieden thematischen Gärten (japanisch, chinesisch, alpin, Arboretum...) gut erkennen.
Immerhin hat das Wetter gut mitgespielt und ich habe einige Fotos gemacht. (Die hier nicht gezeigten könnt ihr im Fotoalbum finden.)
Dritter Akt: Abendessen, Konzert und danach
In der „Schulich School of Music“spielt heute das „Orchestre symphonique de McGill“. Auf dem Programm steht mein guter alter Freund Ludwig van mit der Ouverture zu Coriolan (op. 62), ein zeitgenössisches Werk einer Komponistin (Alexandra Fol) die hier studierte sowie das Beste des Abends: Tchaikovsky's fünfte Symphonie (op. 64).
Zusammen mit Dirk, Laetitia und Florence mache ich mir deshalb eine schönen Abend. Los geht's schon um 18:00 Uhr, denn wir hatten ausgemacht, dass wir vorher gemeinsam Essen gehen. Ich probiere heute mal eine Quebecker Spezialität: Poutin. Das sind Pommes Frites, die mit einer Bratensoße und einem bestimmten Käse übergossen werden. Ist nicht schlecht, aber bestimmt auch nicht jedermanns Sache. Auf jeden Fall aber sehr reichhaltig!
Und dann geht es auch schon ins Konzert. Beethoven und Tchaikovsky gefallen mir ganz gut. Auch wenn ich persönlich finde (und die anderen stimmen mir nach dem Konzert auch zu), dass der Dirigent das ganze viel zu schnell angegangen ist und somit durch die Werke gehetzt ist. Dadurch hat es natürlich etwas von seiner Emotionalität eingebüßt. Das zeitgenössische Werk dagegen hat uns allen nicht so gefallen. Mal ganz ehrlich: Viel Unterschied zu dem Teil vorm Konzert, wo die Musiker ihre Instrumente stimmen war da nicht... (Die ganzen Musikstudenten waren allerdings ausgesprochen begeistert; so verschieden sind Geschmäcker)
Zum Publikum: Im Gegensatz zu letzter Woche (24. Okt) klingelte kein Telefon und es wurde auch nicht dauernd gehustet oder Bonbons ausgepackt. Allerdings finde ich, dass vor allem Musikstudenten wissen sollten, dass man eigentlich während eines Werkes zwischen den Sätzen ruhig bleibt und nicht applaudiert (das ist hier in Kanada auch nicht anders als in Europa)... Und die bereits bekannten Frühklatscher waren auch wieder da. Nun ja...
Nach dem Konzert sind wir dann noch ein/zwei Bierchen trinken gegangen und haben den Abend ausklingen lassen, so dass ich gegen halb zwei dann auch im Bett war.


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