Donnerstag, August 31, 2006

31. Aug: morgens geht's los

Morgen ist es soweit: Dann geht's auf nach New York.
Aber heute steht dafür erst noch mal harte Arbeit auf dem Programm. Denn so ein verlängertes Wochenende will ja auch verdient sein. Und deshalb gebe ich mir heute das doppelte Arbeitsprogramm... (das heißt nur, dass ich eben nicht über Nacht inkubiere wie sonst, sondern mittags mal vier Stunden warte und dann am selben Tag noch ein Gel starte und Blotte) Und deshalb bin ich auch erst um neun abends aus dem Labor. Aber dafür habe ich auch ordentlich was geschafft. Morgen müsste ich mir die Ergebnisse schon ansehen müssen.

Da ich dann direkt vom Labor aus zur South Station/Busbahnhof möchte, muss ich heute abend aber auch noch meine Sachen packen etc. Ein langer Tag also...

Mittwoch, August 30, 2006

30. Aug: Gähn

Huchu, endlich abends; ich kann in's Bett...
Da ich die Nacht irgendwie total schlecht geschlafen hatte, konnte mich heute nicht einmal die schwarze Essenz des Lebens (Kaffee) richtig wach machen. War auch nicht so schlimm, da meine Zellen nicht ganz so wachsen wollten wie ich es gern gehabt hätte. Na ja, dann mache ich die Sachen eben morgen.
Ansonsten: Ach ja, ich habe heute mit Veit aus dem Labor gesprochen. Habe ihn gefragt, ob er mir nicht ein paar seiner Methoden zeigen könnte. Und so haben wir direkt ein bißchen was durchgesprochen (Pulse Chasing, Pull down und MS).

Nach dem Labor habe ich mich noch kurz mit Susanne getroffen. Susanne ist diejenige, die ich auf meinem Vorbereitungsseminar im Juli kennen gelernt habe (siehe Blog 25. Juli). Sie ist Freitag angekommen und derzeit mit Wohnungssuche beschäftigt. Ist doch schon ganz schön nett sich mal wieder länger einfach nur in Deutsch unterhalten zu können...

So, ich werde jetzt ins Bett fallen und vor morgen auch keinen Mucks mehr von mir geben! Gute Nacht!

Dienstag, August 29, 2006

29. Aug: Enter topic here...

"Enter topich here". Das war der Eindruck, den ich heute beim Lab Meeting bekommen habe(Außerdem fiel mir für heute keine andere Überschrift ein - ist auch gar nicht so leicht, da jeden Tag auf's neue was zu finden). Wir bekamen heute sehr viele Ergebnisse präsentiert, die sehr viele Möglichkeiten aufzeigen, aber irgendwie fehlte (meiner Meinung nach) überall der rote Faden. Ist doch gut zu sehen, dass in Harvard vor dem Publizieren auch erst massenweise Datenscreening und rumprobieren steht.
Obwohl... Tom meinte, dass in dem Ganzen durchaus ein Aspekt wäre, denn man relativ schnell in ein Paper packen könnte. Und bei ihm würde das bestimmt wieder ein Cell-Paper. (In der neuen Ausgabe ist wieder - wie in der letzten - ein Paper aus dem Rapoport-Lab auf der Titelseite erwähnt!)

Nachdem ich gestern fest gestellt habe, dass ich ja diese Woche "Halbzeit" habe, dachte ich, dass es mal Zeit wäre mich zu erkundigen, wie denn so meine Arbeit gesehen wird. Und bei dem Gespräch kam zufällig raus, dass Pedro gar nicht als mein Betreuer vorgesehen war. Nun macht da auch einiges mehr Sinn. Denn zum einen hat er derzeit nicht all zu viel Zeit - er ist vor zwei Monaten Vater geworden - zum anderen ist sein Projekt noch in einer sehr frühen Phase.
Allerdings kam Veit, der mich eigentlich betreuen sollte, erst aus dem Urlaub zurück, als ich schon zwei Wochen da war. Das lag aber nicht an mangelnder Planung oder fehlender Absprachen, sondern schlicht und einfach daran, dass er Probleme mit dem Visum und die Amis ihn zunächst nicht wieder reinlassen wollten... Schon lustig...
Aber von diesen Erkenntnissen abgesehen war es ein ganz normaler Tag im Labor.

Zuhause gibt's wieder eine Überraschung. Fran hat schon wieder Begleitung für mich gefunden. Dieses Mal die Tochter einer Freundin, die in New York lebt (die Tocher, nicht die Freundin). Und die hat angeboten, dass sie Achim und mir den ein oder anderen NewYorker Club zeigen könnte.
Und bevor wieder irgendwelche mehrdeutigen Kommentare kommen: das ist kein Date oder so. Ich habe mir sagen lassen, dass ein derartiges "ich kenne da jemanden, der jemanden kennt, der eine Tochter/einen Sohn hat, den Du treffen musst..." für Amis relativ normal sei. Eben ein kontaktfreudiges Völkchen...

Montag, August 28, 2006

28. Aug: Ein Monat ohne Fernsehen

Als ich gerade meine bisherigen Blogeinträge durchging, musste ich überraschend feststellend, dass ich nun schon seit genau einem Monat "unterwegs" bin. Kam mir viel kürzer vor. Vier Wochen um und noch fünf vor mir. WOW!!! Und all die Zeit ohne das Medium, das ich früher regelmäßig konsumieren musste: das Fernsehen... Und das, obwohl ich in dem Land bin, dass ungezählte Kanäle in jeden Haushalt überträgt, der sich das leisten kann. (OK, dass ich dafür nun jeden Tag stundenlang - also die selbe Zeitspanne - im Internet bin, lasse ich bei der Suchtberatung einfach mal unter den Tisch fallen)

Wie gesagt: Wow. OK, genug gejubelt. Zurück zum Alltag. Im Labor habe ich heute mal ein bißchen was anderes als sonst gemacht, nämlich eine kleine Trafo anstelle des sonst üblichen in vitro assays. Kannte ich zwar schon, aber war mal wieder nett...

Außerdem habe ich heute den Deparmtent Newsletter bekommen. Denn da ich nun ja meine Harvard-ID habe (ich musste meine Mailadresse angeben) werde ich - sozusagen als Zusatzservice - mit Terminen und Infos zu Vorträgen, Seminaren, Veranstaltungen und "Happinings" versorgt. Alles gesammelt und übersichtlich. Auch etwas, was man bei uns einführen sollte! Dann ist Schluß mit tausenden von getrennten Mails... Aber ich kann es schon hören: "Wer soll das wieder machen? Wer soll das bezahlen?"

Zu guter letzt hatte ich heute ein bisschen das Gefühl in Deutschland zu sein. Denn wer kennt nicht das gute alte "Deutsche Bahn Gefühl"? Man sitzt in der Bahn (bei mir war's die U-Bahn) und über die Lautsprecher kommt die Durchsage, dass sich die Weiterfahrt auf Grund von technischen Schwierigkeiten an den Signalanlagen (o.ä. Unpässlichkeiten) kurz verzögert. Und diese Durchsage wird dann über eine halbe Stunde (manchmal auch kurz länger) alle paar Minuten durch verschiedene Versionen variiert.
Genau das Erlebnis hatte ich heute. Wenn die von vorherein gesagt hätten, dass das so lange dauert, dann wäre ich die drei Stationen bis ich umsteigen muss, zu Fuß gelaufen... Nun denn, so habe ich halt meine Führer für New York City für's Wochenende gelesen.

Sonntag, August 27, 2006

Bene's Gedicht II

Nachdem Benedict (für alle, die es nicht wissen: mein jüngster Bruder) mir letzte Woche schon ein Gedicht geschickt hatte (siehe Blog vom 09. August), das mir recht gut gefiel, hat er nun seit zweites Werk zur Veröffentlichung an mich gesandt:


Wir sitzen hier in der Runde,
und rätseln über deine Worte.
Oma und Opa finden es toll,
und ich will hier weg sofort.

Da es sehr leckeres essen gab,
hat es mir sehr gut gelabt.
Wir sind alle ganz schön voll,
und das ist ganz toll.

Selbst gemachter Likör ist stark,
und ich dich ganz gerne mag,
hab ich an deine Leber gedacht,
und dir keinen mitgemacht.

Du sollst dich nicht beklagen,
denn ich bin voll beladen.
Zu deinen Füßen,
werden wir dich begrüßen.

Hier sind alle voll,
Und die Stimmung ist toll.
Hauptmarschall Papa ruft zum Marsch,
doch alle machen einen Tratsch.

Ich mach jetzt chluss,
weil ich ins Bette muss
das klappt aber nicht,
den ich wehre mich.

P.S. Du musst dich nicht mit Alk begießen,
denn das Leitungswasser wird noch lange fließen.

(Benedict Ridders, 2006)

27. Aug: Karneval in Cambridge

Heute erhalte ich wieder eine lehrreiche Lektion im Fach "Boston und das Wetter": Nachdem ich die Tage ja die Feststellung gemacht hatte, dass es hier immer nur in Strömen regnet und es danach aber wieder besser wird - meist genau dann, wenn ich naß im Labor angekommen bin - wurde ich heute eines besseren belehrt: Auch in Boston kann sich dieser beständige Nieselregen einstellen, der den ganzen Tag anhält und der sich nur ab und zu mal richtig ins Zeug legt...
OK, nun aber genug vom Wetterbericht. Nachdem ich heute morgen erst einmal zum ersten Mal seit meiner Ankunft hier in den Staaten zuhause angerufen habe, bin ich los in die Stadt. Durch Zufall hatte ich mitbekommen, dass heute das "Cambridge Carnival Festival" stattfindet. Das ist ein Umzug mit "Straßenfest" im karibischen Stil. (Heute durch Regen der Marke "very british" ergänzt) Aber alles in allem sehr bunt und nett. Und neben der Musik stieg einem auch immer dieser besondere karibische "Duft" in die Nase...
Eigentlich wollte ich mir danach noch eine Ausstellung im "MIT List Visual Arts Center" ansehen. Allerdings bauen die gerade für die nächste Ausstellung im September um. Nun, vielleicht dann.
Danach bin ich noch mal Richtung Stadt gefahren und etwas durch Chinatown geschlendert. Aber bei Regen ist das irgendwie doof!
Nun, aber da ich ja seit Freitag meine Harvard-ID Karte habe, kann ich das machen, was ich eigentlich nicht machen wollte: Ich fahre auf dem Weg zurück noch mal eben im Labor vorbei. Eigentlich will ich nur vorsichtshalber für morgen ein paar Zellen animpfen. Doch Pedro ist auch da (sind denn überall in der Welt die Arbeitszeiten für Wissenschaftler so bescheiden?) und wir gehen noch mal kurz die Ergebnisse (oder das fehlen der solchrigen) durch. Und damit ist dann auch das Programm für morgen festgelegt...

Samstag, August 26, 2006

26. Aug: Ruhe und Radfahren

Gestern Regen und heute schon wieder Sonnenschein? Irgendwas stimmt hier nicht! Allerdings hatte das zur Folge, dass ich gestern schon beschlossen hatte mal so richtig auszuschlafen. Und das habe ich dann auch gemacht. Und danach in Ruhe gefrühstückt. Toll.
Beim Frühstück kam dann eine positive Überraschung: Ich hatte Linda (Fran's Freundin, die gestern angekommen ist) gestern erzählt, dass ich am Wochenende nach New York fahren will, dass aber das Hostel, dass ich gebucht hatte mir eine Absage wegen voller Belegung geschickt hatte. Nun hat sie heute morgen zufällig mit einer Freundin telefoniert, die Zimmer vermietet. Die hat zwar auch keinen Platz mehr, aber die hat eine Freundin, die evtl. noch was frei hat. Und mit der habe ich dann auch telefoniert, mit dem Ergebnis, dass Achim (mit dem ich mich in NY treffe) und ich nun ein Zimmer in einem privaten Apartment haben, dass sehr zentral liegt. (Für eine genaue Karte einmal hier klicken) Und dazu hat Linda mich dann direkt auch Tipps versorgt, was wir uns wo ansehen sollen...

Danach will ich zum ersten Mal mein Skype ausprobieren. Nach einigen Startschwierigkeiten kann ich dann wirklich damit telefonieren! Wow...

Außerdem machen wir heute aus irgendeinem Grund "Familien"-Fotos. Wahrscheinlich, weil gerade draußen die Sonne scheint und alle da sind.
Nachmittags breche ich dann noch zu einer kurzen Radtour auf. Entlang des Charlesriver bis zum Harvard-Campus. Das ist gar nicht so weit (45 min) und der Fluß ist auch ganz schön, aber irgendwie haben die hier nicht so richtig Ahnung, wie ein Fahrradweg aussieht (auch wenn es Schilder mit "Bike Route" gibt). Denn erstens ist der teilweise so schmall, dass bei Gegenverkehr einer auf den Rasen ausweichen muss. Außerdem befindet sich der Weg stellenweise in einem Zusand, dass daneben selbst die Lübecker Radwege als bestens geteert eingestuft werden müssten. Und wenn dann eine Straße mit Autos den Weg kreuzt, dann wußten die Konstrukteure anscheinend nicht, wie sie damit umgehen sollen. Denn der Weg hört ein paar Meter vor der Kreuzung auf, und fängt ein paar Meter dahinter wieder an. Nichts mit irgendwie geartetem Übergang oder so...
Aber wie gesagt: Davon abgesehen eine nette Tour

Übrigens, wer schon immer wissen wollte, was für ein heißes Gefährt ich mir da zugelegt habe. Bitte schön:
Abends bin ich dann noch ins Kino. Schließlich kann ich an einem Samstag abend ja nicht daheim sitzen bleiben. Meine Amis von letzten Wochenende haben sich nämlich nicht gemeldet (Marielle hatte mir nur geschrieben, dass ihr Apple in Reparatur ist und sie deswegen nichts schicken kann, aber andere haben ja auch EMail...).
Im Kino habe ich dann "World Trade" gesehen. Sehr emotional und bewegend, aber meiner Meinung nach kein absolutes "Muss". Es wird halt sehr gut dargestellt, mit welchen Gefühlen und welchem Entsetzen die Amerikaner die Anschläge vom 11. September aufgefasst haben und wie der Tag so in etwa verlief.

Freitag, August 25, 2006

25. Aug: The Summer of Love

Manchmal braucht es nur einen guten Titel, um die Leute dazu zu bewegen ein Buch zu kaufen. Und auch wenn dieser Blog für Euch völlig kostenlos (OK, mich kostet er einiges an Zeit) ist, so sind interessante Titel doch zumindest ein Grund weiter zu lesen... Also: macht's Euch gemütlich und auf geht's.
(Nur um all denen, die gerade in einem Labor sitzen und arbeiten müssen, nicht das Experiment zu versauen, da ich sie an den Computer bannen, sei hier gesagt, dass die Überschrift mehr verspricht als nachher bei rumkommt, den so besonders war der Tag heute auch wieder nicht; aber das sind wir ja auch von Bestsellern gewöhnt(-; )

Beim Aufwachen hätte es mir schon fast die Laune verdorben. Denn heute haben wir wieder diesen besonderen Bostoner Regen: unerwartet und in Strömen. Na toll. Nicht nur, dass ich mit dem Fahrrad los muss, so ein Wochenende am Strand (den das soll Cape Code vor allem sein) im Regen ist auch nicht unbedingt das, was ich mir vorgestellt hatte. Meine Hiking-Tour hatte ich gestern abend schon für mich abgesagt, da ich das doch etwas besser planen sollte, und das geht nicht so ohne weiteres in einer halben Stunde im Internet...

Als ich dann aufs Fahrrad steige (nur kurze Hose, damit ich nicht total aufweiche, bis ich da bin und Schuhe in Plastiktüten eingepackt...) hat der Regen zum Glück etwas nachgelassen, aber es ich doch schon ganz schön kalt geworden hier. Und das bekomme ich direkt im Lab bestätigt. Denn ich sehe Pedro heute zum ersten mal mit langer Hose und sogar Pullover...

Nach dem Mittagessen habe ich dann Post auf meinem Arbeitsplatz liegen: Endlich, meine Harvard-ID-Karte! Doch was muss ich sehen? Diese Trottel haben doch glatt meinen Namen falsch geschrieben, bzw. heiße ich nun Ridder. Aber die Karte ist ja eh nur bis Ende September gültig. Deswegen werde ich nicht den Aufstand proben. Denn immerhin, das habe ich quasi als erstes ausprobiert, kann ich nun auf sämtliche Journals in PubMed zugreifen. Wow. Ich glaube, dass wir das in Lübeck auch bräuchten (ja, ich höre die Stimmen schon rufen: "Wer soll das bezahlen...")

Um 14:00 hatten wir dann wieder Journal-Club. Eigentlich wollte ich danach direkt meinen Blot scannen und ab nach Hause, aber der Scanner ist von irgendjemanden noch bis fünf belegt. Na super... Also warten...
Zum Glück ist um fünf ja auch wieder Happy-Hour, so dass sich das wenigstens eingermaßen lohnt zu bleiben.

Zu Hause angekommen komme ich zufällig genau zum Abendessen mit Besuch an. Eine Freundin von Fran und Mike, die Fran noch aus der Schulzeit kennt, ist aus NewYork zu Besuch. Und irgendwann fangen die beiden Damen an Geschichten aus der Jugend zu erzählen: Vom Trip durch Europa (Fran traf in Paris Salvatore Dalí), die erste WG an der Uni bis hin zu den "wilden" Zeiten in Berkeley. Und hierbei stellt Mike dann fest, dass Fran dort in den sechziger Jahren war, unter anderem im so genannten "Summer of Love" (so, damit ist der Bogen zur Überschrift geschlagen!). Sehr unterhaltsam der Abend. Ich bin mal gespannt, was für Geschichten wir in fünfzig Jahren beim Wiedersehen (zum tausendsten Mal) erzählen und welche alten Fotos wir dann ausgraben ;-)

Donnerstag, August 24, 2006

24. Aug: Den Ar... voll Arbeit

Diese Woche gibt es Kontrastprogramm: Nachdem ich gestern also schon so früh fertig war, bin ich heute extra lange hier. Nicht weil ich das für ausgleichende Gerechtigkeit halte, sondern weil ich nun das Experiment halt am Stück durchziehe. Und dann kann ich mir morgen wenigstens die Ergebnisse ansehen... Doof ist es aber trotzdem. Denn die Aussicht erst so gegen neun wieder aus dem Labor zu sein ist auch nicht so toll.
Aber da ich seit dem Nachmittag auch wieder Wartezeiten habe (SDS-Page, blotten, blocken) und ich keinen Betreuer habe, bei dem "mal eben noch zwischendurch was ansteht" (Hallo Anne, Mail gelesen und verarbeitet), widme ich mich dem Blog von gestern und heute, lese Paper etc...

Zum Mittagessen - dazu hatte ich dann um 15:00 Zeit - habe ich übrigens einen fünf Dollar Burrito verspeist. Ich kann nicht sagen, dass er so super überragend mega lecker war (was ich fast erwartet hätte), aber zumindest war er sehr sättigend ;-)

Werde jetzt mal noch schauen, was ich denn so am Wochenende machen kann. Eigentlich will ich dieses Wochenende wirklich mal Hiken gehen. Aber so wie's ausschaut machen mir die Buspläne da einen Strich durch die Rechnung. Ich muss da noch mal recherchieren...
Vielleicht mache ich auch einen Ausflug ans Meer (nicht, dass ich die letzten beiden Wochenenden nichts davon gesehen hätte). Cape Cod soll ja unheimlich schön sein. Aber ob da die Busse besser hin fahren?

23. Aug: Boston Museum of fine Arts

Na so was: Ein Museumsbesuch mitten in der Woche? Wie kann das denn? Hat der Kerl nichts zu tun?
Die Antworten darauf: Ja! Ging so und ich kam gerade daran vorbei! Heute nicht so viel!
Nun, um etwas genauer zu sein: Geplant war, dass wir nach den eher ernüchternden Resultaten der letzten Wochen (dass nämlich nichts so klappt, wie es soll...) etwas ganz anderes versuchen. Ich wollte heute morgen also nur noch den einen Blot mit einem anderen Antikörper entwickeln. Und dann zeigt sich dort etwas, was wir uns überhaupt gar nicht erklären können. Nicht, dass das heißen soll, es hätte funktioniert - nein, es heißt nur, dass wir keine Ahnung haben, was da passiert - oder auch nicht passiert...
Um das zu überprüfen müsste ich den Versuch also wiederholen. Unglücklicherweise hatten wir aber - wie gesagt - geplant, dass ich was anderes mache. Demnach hatte ich keine Zellen vorbereitet (hatte ich zwar ursprünglich vorgehabt, aber Pedro meinte, dass würde sich nicht lohnen) und konnte also den Versuch auch nicht starten.
Bumms. Nun saß ich da. Und das einzige, was ich tun konnte war, Zellen ansetzen und ihnen beim wachsen zu sehen...
Da die aber auch wachsen ohne dass ich zugucke, habe ich also heute früh Schluß gemacht...

Jetzt stand ich also unerwartet früh vor der Tür und überlegte, was zu tun wäre. Zum Glück wusste ich aber, dass das Museum of Fine arts gar nicht weit ist. Keine Ahnung, was die zeigen oder was das kostet, aber es war ja noch früh (so ca. vier) und einfach mal ins Foyer gehen und schauen kostet ja nichts. Und dann kam die Überraschung. Ein Besucher, der gerade aus dem Museum kommt, als ich rein will, drückt mir eine Karte in die Hand und meint, damit käme ich rein, er hätte keine Lust mehr. Und - swups - war er verschwunden!
Das hat mich zwar stutzig gemacht, aber als ich dann gesehen habe, dass die für den Eintritt 15$ haben wollen, dachte ich mir, dass ich es mit der Karte doch einfach mal probiere. Also ging ich zu einem Museumswächter am Eingang und sagte ganz unschuldig (gut, ich muss zugeben, dass ich extra was genuschelt habe...) dass ich diese Karte habe, worauf hin er meinte, dass die für eine Sonderausstellung ("Americans in Paris") im ersten Stock sei.
Na, der wird es ja wissen. Der Kartenabreißer am Eingang war dann glücklicherweise mit zwei jungen Damen beschäftigt, so dass ich rein kam ohne mich erklären zu müssen.
Zur Ausstellung selber: Die Sonderausstellung zeigt eigentlich nur Bilder um ca. 1890 von Amerikanern, die damals in Scharen nach Paris gezogen sind, um sich als Künstler ausbilden zu lassen. Nett, wenn man's mag, aber mein Ding war das nicht.
Im ganzen Rest des Museums sind dann fast alle Epochen und Kontinente mit Werken vertreten. Ich habe mir also ein wenig Rembrandt, van Gogh, Monet und einige andere angesehen. Aber ich musste mal wieder feststellen, dass Gemälde mich einfach nicht interessieren. Viel spannender fand ich dann eine zeitgenössische Fotoausstellung, die ich am Ende dort entdeckte. Aber jedem das seine, nicht wahr...?

Und nach dem Museum war ich noch ein wenig bummeln. (Ich wollte mir eigentlich ein Mikrofon für meinen Laptop zulegen, aber bei den Preisen (mal wieder…) werde ich wohl doch erste einmal das eingebaute Mikrofon ausprobieren. Vielleicht klappt das ja auch irgendwie.) Dabei habe ich eine wirklich nette Ecke von Boston entdeckt, wo man am Wochenende mal einen gemütlichen Einkaufsbummel machen könnte… Schau’n wir mal

Dienstag, August 22, 2006

21/22. Aug: Im Westen nichts neues

Aber auch so gar nichts neues... Normaler könnte ein Arbeitstag gar nicht sein... Und das gleich an zwei aufeinander folgenden Tagen...
Ach so: Für alle, die damit was anfangen können: Ich habe bei mir nun auch Skype installiert. Funktioniert auch so weit, allerdings ist mein Mikro im Rechner nicht so doll. Werde mal sehen, ob ich da nicht was besseres bekommen kann.

Sonntag, August 20, 2006

20. Aug: Whale Watching

Na super! Die Nacht über hat es geregnet und morgens nieselt es immer noch. Dabei muss doch heute schönes Wetter sein, denn immerhin habe ich für den geplanten Ausflug bereits fast 35$ bezahlt (Ticket muss vorher online gebucht und bezahlt werden...) Also Regensachen eingepackt und los. Bis in die Stadt, bzw. zum Hafen brauche ich mal wieder etwas über eine Stunde. Am "Aquarium" angekommen stelle ich dann fest, wie schön es ist, wenn man sein Ticket vorher schon online via Kreditkarte bezahlt hat. So kann ich mir nämlich die ewig lange Schlange an der Kasse sparen und schlender locker zum Schalter, wo ich mir das Ticket einfach nur abholen muss.
Gegen halb zwei können wir dann aufs Boot, ein etwa 25 Meter langer Katamaran. Und ich kann es kaum erwarten, dass es los geht, denn das Wetter ist so was von total schwül... Aber irgendwann geht's dann auch wirklich los. Bei der Ausfahrt aus dem Hafen bietet sich wieder der selbe unbeschreibliche Blick auf die Bostoner Hafen-Skyline, wie ich ihn schon letzte Woche genießen konnte: Einmalig. Und dann: Eine Stunde lang nur offenes Meer. Der Katamaran fliegt förmlich übers Wasser und die Wellen sorgen dafür, dass es ordentlich schaukelt. Aber die Luft ist hier draußen wesentlich angenehmer, auch wenn ich mir auf Grund des Fahrtwindes doch eine Jacke überziehen muss.

Nach einer kleinen Ewigkeit scheinen wir dann unser Ziel, Stellwagen Bank, erreicht zu haben, denn das Boot wird abrupt langsamer. Und am Horizont kann ich dann die erste Wal-Fontäne erblicken. Und nach einiger Zeit haben wir dann ein paar Buckelwale direkt in bootsnähe! Wirklich beeindruckend.
















Die Zeit verfliegt viel zu rasch, und irgendwann macht sich das Boot dann wieder auf den Rückweg. Schade eigentlich. Allerdings stoppen wir noch einmal, als sich ein Schwarm Delphine in der Nähe aufhält. Wirklich klasse, auch wenn die einfach zu schnell sind, als dass ich ein vernünftiges Foto machen könnte...


Nach fast vier Stunden unterwegs kommen wir dann gegen sechs wieder im Hafen an. Das hat sich doch mal gelohnt...

Nun aber schnell zur Metro und Richtung Fenway. Ich habe nämlich heute morgen bevor es los ging mal schnell recherchiert, wo wir denn ins Kino gehen könnten (hatte bis dahin noch keine Mail bekommen, wo und wann...) und dabei bin ich auf die ACM-Kinos in Fenway-Park gestoßen. Filmbeginn dort: 19 Uhr.
Und um zwanzig vor sieben bin ich dann wirklich da. Und warte, und warte, und warte... sollte ich mich mit dem Kino vertan haben? Als dann um Viertel nach immer noch kein mir bekanntes Gesicht aufgetaucht ist, beschließe ich nach Hause zu fahren. Na ja, es war einen Versuch wert.
Als ich dann meine Mails abrufe lese ich, dass ich mich nicht vertan hatte, zumindest was den Ort anging. Nur die Zeit stimmte nicht. Die waren alle schon nachmittags (warum denn das?) im Kino, als ich noch auf dem Boot war...
Egal: Eine leckere Tiefkühlpizza (teuer wie alles andere auch (-;) sowie das letzte Stück Geburtstagstorte trösten mich darüber hinweg!

Samstag, August 19, 2006

19. Aug: Partytime

Irgendwie fällt es mir von Woche zu Woche schwerer mich an den Wochenenden zu motivieren das Bett zu verlassen und Neu England zu erkunden. Nicht, dass ich schon alles gesehen hätte, aber so ein gemütliches Bett hat doch auch was, vor allem, wenn man die Woche über immer so früh aufsteht.
Und da gestern ja auch länger war, als so ein normaler Wochentag, hatte ich mir heute eh nicht so viel vorgenommen.

Ersteinmal ging es für mich wieder nach Cambridge zum Harvard Main Campus. Ich wollte doch unbedingt noch eine Campustour mitmachen. War dann auch interessant, vor allem amüsant. Viele kleine Geschichten und Anekdoten, wenig Geschichtsdaten; Harvard hat das zweitälteste Unigebäude in den Staaten, hat die zweitgrößte Bibliothek der Staaten... Also irgendwie nur zweitklassig ;-)

Und wo ich gerade mit Elite-Unis beschäftigt bin, fahre ich doch noch eine Station weiter und besuche das MIT-Museum. Die Ausstellung ist in drei Teile unterteilt: Am Anfang zeigen sie Entwicklung von Künstlicher Intelligenz, Robotern und ähnlichem (natürlich mit Unterschreichung der Anteile, die das MIT daran hatte). Der zweite Teil ist dann mehr oder weniger "Kunst". Was die Leute am MIT halt so nebenbei machen. Unter anderem hat sich einer ausführlich mit Fotographie mit sehr kurzer Belichtung spezialisiert um unter anderem Bilder wie das obige zu machen. Tolle Fotos dabei! Der dritte Teil beschäftigt sich dann ganz mit der Geschichte des MIT. Auch nicht schlecht...

Und wo ich mir das Museum nun schon angesehen habe, muss ich doch auch noch zum Campus. Den haben die erst Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut. Die Gebäude sind also nur auf alt gemacht, ohne es wirklich zu sein. Trotzdem beeindruckend (allerdings nicht so sehr wie der Harvard Campus...)
Jetzt kann ich also auch sagen, dass ich nachdem ich in Harvard gearbeitet habe auch schon im MIT war...

Abends bin ich dann zur Wohnungseinweihungsparty von Anne, einer Freundin von Kris; obwohl die beiden sich wohl auch seit Jahren nicht gesehen haben... Als Ausgleich bringt Kris dann aber ein halbes Dutzend Leute (unter anderem mich) mit zur Party. Und alle tragen diese unauffälligen braunen Papiertüten. Denn: Das "open bottle law" verbietet in Massachuset auf der Straße geöffneten Alkohol zu haben. Und um Missverständnissen vorzubeugen wird halt alles in diesen Tüten transportier. Na ja...
Irgendwie ist die Party dann wie jede andere Wohnungseinweihung bei uns auch; am Anfang etwas öde, aber sie wird vom Bier zu Bier besser. Und schwups, ist es auch schon nach Mitternacht. Zeit für mich zu gehen, damit ich noch den letzten Bus kriege, der um eins fährt. Und das, wo die Party doch anscheinend gerade erst anfängt.
Auf jeden Fall wollen wir morgen ins Kino gehen. Ob ich da aber mit kann, wird sich zeigen, denn immerhin habe ich ein Ticket für die Whale-Watching Tour gebucht. Aber ich bekomme eine Mail mit Ort und Zeit geschickt...
Na dann: Gute Nacht ;-)















Freitag, August 18, 2006

18. Aug: Meine ersten Amis

Nachdem "gelungen" Ende des gestrigen Tages bestand für mich heute die erste Aufgabe darin, dass ich irgendwie das Fahrrad wieder repariert bekomme. Zum Glück hat Fran mich mit dem Auto zum nächsten Fahrradladen gebracht, wo ich dann für 5, 20$ einen neuen Schlauch kaufen konnte. Das hat den Wert des Fahrrads mal glatt verdoppelt! Nach der Reparatur bin ich dann ins Labor, wo ich gegen 11 eintraf. Hat aber irgendwie niemanden gestört. Denn ich war bei weitem nicht der letzte - die Arbeitszeiten sind hier anscheinend völlig frei...

Heute stand für mich eh nicht viel auf dem Programm. Lediglich ein paar Zellen ernten und wegfrieren, den Blot mit anderem Antikörper entwickeln. Um 2 Uhr war dann wieder Journal-Club. War diesmal wirklich interessant. Anscheinend hat man eine neue Art von nicht-kodierender RNA (neben miRNA, siRNA, shRNA etc.) entdeckt.
Ach ja, nicht zu vergessen ist, dass heute auch wieder Department Happy Hour war. Heute gab es Hot Dogs, Tortilla-Chips und natürlich Bier. (Habe ich schon erwähnt, dass ich finde, dass wir das auch einführen sollten?)

Und dann stand da natürlich als Highlight des Tages das Treffen mit Marielle und ihren Freunden im Pub auf dem Programm. Als ich dann um sieben aus dem Lab raus war bin ich also zu dem Pub. Die Frage war nun, welcher Tisch - bzw. welche Leute - sind nun "meine" Amis? Aber so schwer war das nicht, denn ein ganzer Tisch drehte sich um, als ich eintrat. Und siehe, es war richtig. Nachdem wir uns dann alle vorgestellt haben (gesamt waren das ungefähr acht Leute) wurde mir erzählt, dass Sonja, eine deutsche PhD-Studentin, bei meinem Eintreten wohl direkt gesagt hat, dass ich ein Deutscher sei. (Hätte ich vielleicht doch keine Lederhose anziehen sollen(-; )
Es wurde dann auch recht lustig. Später kamen noch andere, unter anderem weitere Deutsche, dazu. Dennoch musste ich einige "kulturelle" Unterschiede feststellen. Zum einen muss ich sagen, dass die Amis ein ganz schön lautes Volk sind! Wir haben uns gestern im Pub eigentlich fast nur angeschriehen, obwohl die Musik gar nicht so laut war. Und darüber hinaus sind die sich auch noch alle gegenseitig ins Wort gefallen. Wow, das war antrengend. Aber zumindest war mein Englisch nach dem ersten Bier wesentlich flüssiger...
Zum anderen sind die doch wesentlich offener was das Thema "Partnerschaft und Sexualität" angeht, als ich gedacht hätte. Denn ziemlich schnell wurde sich darüber ausgetauscht, wer denn nun mit wem in letzter Zeit (OK, das machen wir ja dann auch) und wie gut denn Sex mit wem war. Das hat mich dann doch etwas überrascht. Aber nun gut. So sind sie halt die Amis...
Später wir dann noch mit mittlerweile nur noch fünf Leutchen eine Kneipe weitergezogen. Wie gesagt: Sehr lustig. Und die vier (Kris, Adam, Janice und Marielle) haben mich dann auch noch zu einer Party am Samstag miteingeladen. Bzw. eigentlich hat Kris mich eingeladen, da sie die einzige ist, die die Gastgeberin überhaupt kennt. Aber auch das ist hier wohl normal: Ich lade Dich ein und Du bringst mit, wen Du kennst. Und wenn die dann auch noch jemanden mitbringen: OK...
Gegen 11 haben wir dann die "Gesellschaft" aufgelöst. Das lag aber vor allem daran, dass die alle schon seit halb fünf dran waren mit Bier trinken und sie deswegen einfach nicht mehr konnten. Aber morgen geht's ja weiter...

Donnerstag, August 17, 2006

17. Aug: lange Arbeiten auch nicht...

Nach dem kurzen Tag gestern stand mir heute ein längerer Tag bevor.
Zwar hatte ich endlich in meinem Gel eine kleine, schwache Bande - Jipieh - aber der große Durchbruch war das noch nicht. Aber ein Anfang.

Mittags musste ich dann zum "Lab Safety Training". So eine Art Sicherheitsbelehrung für alle auf dem Campus, die neu sind. Und ganz ehrlich: Dass ich nicht mit dem Mund pipetieren sollte, ist nun nicht so die Neuigkeit... Ansonsten war das halt die üblich Belehrung, nur mit dem Unterschied, dass die hier zwei ganze Stunden brauchten! Na ja, geschafft und vorbei!

Irgendwann abends bin ich dann aus dem Labor rausgekommen, wobei ich mal wieder nicht weiß, was mich den ganzen Tag aufgehalten hat. Und an der T-Station erwartet mich dann mein Fahrrad mit einem platten Reifen. Na toll. Zum Glück ist ganz in der Nähe eine Tankstelle, an der ich den Reifen wieder aufpumpen kann. Aber irgendwie war das wohl kene so tolle Idee. Denn nach ein paar hundert Metern macht es während der Fahrt bumm, und mir ist der Schlauch geplatzt! Einfach so. Ist zum Glück nichts weiter passiert. Aber nun stand ich da in der Dunkelheit mit einem platten Fahrrad und noch ungefähr drei Kilometer Strecke nach Hause. Aber: Wer sein Fahrrad liebt, der schiebt. Aber da das Schrottteil hier nur Mittel zum Zweck ist, habe ich nicht geschoben, sondern bin die Strecke auf der Felge gefahren. Alle Male besser als laufen zu müssen.

Mittwoch, August 16, 2006

16. Aug: früher Feierabend lohnt sich nicht

Im Labor ging es heute richtig los: Zum einen ist der neue Antikörper angekommen, zum anderen hat sich gezeigt, dass unser Stamm doch Substrat exprimiert, allerdings wesentlich weniger, als vermutet. Wir müssen nun halt viel mehr Substrat einsetzen.
Also los ging's. Ob was draus geworden ist, werde ich allerdings erst morgen wissen. Aber so kann ich mich heute noch über mein blödes Anstellen heute ärgern. Zuerst bringe ich einen Kunststoff-Messbecher fast zum Schmelzen (ja, denn Kunststoff erhitzen = blöde Idee) und dann überlese ich in meinem Protokoll an einer Stelle einfach mal, dass die Protein-Assay-Lösung vor Benutzung verdünnt werden muss. Total dämlich...

Aber dennoch war ich heute relativ früh fertig. Wie ich allerdings feststellen musste, lohnt sich das nicht wirklich. Denn obwohl ich fast eine Stunde früher als sonst aus dem Labor raus war, war ich doch nur ca. eine halbe Stunde früher zurück als sonst... Das lag daran, dass an der Haltestelle der erste Zug der kam dermaßen überfüllt war, dass ich da auch nicht reingekommen wäre, wenn ich mich gequätscht hätte. Und der danach kommende war auch nicht viel leerer. Allerdings fuhr der bis zwei Haltestellen vor meinem Ziel und es kam die Ansage, dass dies ja ein Expresszug sei und erst wieder an der Endstation hält. Ich also raus und auf den nächsten gewartet, der mich dann endlich nach "Newton Center" brachte. (Vom amerikanischen Straßenverkehr, der mir dann begegnete, erzähl ich vielleicht ein ander mal...)

Entschädigt dafür wurde ich dann aber zuhause. Denn heute gab es groß Dinner, da Mike's Enkeltochter Lisa (auch bestimmt schon Mitte dreißig) zu Besuch kam. War ein netter Abend.

Und außerdem habe ich seit heute auch eine Verabredung für Freitag abend (After work cocktails). Fran konnte es ja nicht lassen in ihrem Bekanntenkreis nach Leuten in meinem Alter zu fragen. Und so habe ich nun Mail-Kontakt mit Marielle gehabt und wir, und einige ihrer Freunde, treffen uns, wie gesagt, am Freitag nach der Arbeit in einer Kneipe. Das wird ein "biologischer" Abend, da Marielle - als Biologin - derzeit über Termiten promoviert und vor allem Biologen kennt. Aber damit müsste ich ja eigentlich klarkommen. Hätte ja auch wesentlich schlimmer kommen können (z.B. Wirtschaftler oder Juristen oder so... (-; )

Dienstag, August 15, 2006

15. Aug: Mistwetter

Seit drei Uhr heute nacht hat es wie aus Eimern gegossen - und das non-stop, bis heute mittag. Das ist erste das zweite Mal, dass ich hier Regen erlebe (das erste Mal war kurz nach der Landung) und beide Male waren es wahre Wolkengüsse. "Normalen" Regen kennen die wohl nicht. Bei den Amis muss wohl alles größer, schneller, weiter sein (deswegen benutzen die ja auch immernoch Meile und Gallone etc.: ist einfach mehr als nur Meter oder Liter...)! Für mich hieß das allerdings, dass ich in strömenden Regen mit dem Fahrrad zum T-Stopp fahren musste. Und da ich nun mal meine Lübeck-Allwetter-Fahrrad-Ausrüstung nicht mitgenommen habe, konnte ich mir gut ausrechnen, dass ich klitschnass werde. Was dann auch geschah... Ich hatte mir zwar trockene Schuhe, Klamotten sowie ein Handtuch eingepackt und mich direkt im Labor umgezogen, aber viel geholfen hat das nicht: Meine Nase läuft, der Schnupfen ist auf dem Weg! Ich glaube ich werde krank...

Die letzten Tage haben mich ja stark an meinen eigenen Fähigkeiten zweifeln lassen. Eine IP, die nicht funktioniert (wir stellten fest, dass das aber am verwendeten Antikörper lag), ein Blot, der leer war und mehrere Blots, auf denen fast nichts zu sehen war, obwohl diese mit einer Positivkontrolle versehen waren, die eigentlich bis zum Mond hätte leuchten müssen... Aber nichts funktionierte. Und da Pedro anscheinend ähnliche Zweifel hatte - allerdings hat er es nicht so ausgedrückt - haben wir heute die Probenaufarbeitung, das SDS-Gel und den Blot noch mal zusammen gemacht. Und siehe da: Wieder nichts! Lediglich die neu mitaufgenommene Kontrolle zeigte uns, dass zumindest der Antikörper in Ordnung war. Und so wie es aussieht, weigern sich unsere Hefe-Stämme derzeit einfach unser Substrat zu expremieren! Da kann das alles natürlich nicht funktionieren.
Blöd für das Weiterkommen des Projekts, aber zumindest bin ich nun sicher, dass es nicht an mir lag. Ist doch aus was... Und morgen probieren wir dann mal einen Stamm mit anderem Substrat aus.

Auf eine Frage, die mehrmals in den gestrigen Geburtstagsmails aufkam, möchte ich noch kurz eingehen. Ich wurde gefragt, woher ich die Zeit nehme, so viel im Blog zu schreiben. Und die Antwort ist ganz einfach: Ich habe hier keinen Fernseher, kann also wenn ich abends so gegen acht nach Hause komme nicht viel anderes machen. Außerdem habe ich - wie ja mehrmals schon erwähnt - einiges an Wartezeiten. Und da immer nur Paper lesen ist auch doof. Aber ich weiß nicht, ob das so bleiben wird...
Heute habe ich nämlich im Studiverzeichnis eine Nachricht von zwei Hannoveranerinnen bekommen, dass die in einer Woche hier nach Boston kommen. Und dann gibt's ein "Deutschen-Treffen". Und vielleicht ergeben sich ja auch noch andere Kontakte, mit denen man Abends nach der Arbeit noch auf ein Bierchen raus kann!

Montag, August 14, 2006

14. Aug: Danke, danke, danke...

Ja, wo soll ich anfangen?
Auf jeden Fall vielen Dank für die ganzen lieben Geburtstagsgrüße, die mich heute über zahlreiche Wege erreicht haben: 17 per Mail, 6 übers Studiverzeichnis, drei via ICQ und einer per Brief (von Opa und Oma). Hinzu kommen noch die, die mich schon vor Mitternacht EST erreichten (2 ICQ und eine Mail). Danke, danke, danke!
Das hat mir meinen Geburtstag in der Ferne doch stark versüßt.
Und ich werde mich bemühen, auf alle Grüße (zumindest auf die, die per Mail eingegangen sind) im Laufe der Woche zu antworten.

Ansonsten war der Tag gar nicht so besonders... OK, ich habe mir gegönnt etwas länger zu schlafen und habe mir am Vormittag in einer der zahlreichen Inkubations-Wartezeiten einen total leckeren Chai-Latte bei Starbucks geholt und in der Sonne genossen. Nett war auch, dass heute zwei Vorträge ("Structure and Specificity of Polyubiquitin Binding Proteins" sowie "Functional Analysis of Ubp6, a Proteasome-Associated Deubiquitinating Enzyme"; Tom sagt, er könne das "U-Wort" schon gar nicht mehr hören) stattgefunden haben, mit denen ich weitere Wartezeiten überbrücken konnte. Um vier hatte ich dann angekündigt, dass es für alle, die dann da sind Geburtstags-Muffins gäbe, so dass sich auch (fast) alle eingefunden haben und mir sogar ein Geburtstags-Ständchen dar brachten!

Auf meine Frage, wer denn nach Feierabend noch Lust hätte mit in den Pub zu kommen, erhielt ich dann aber nur wenig Resonanz (Tja, das liegt bestimmt daran, dass hier im Lab die meisten bereits verheiratet sind und/oder Kinder haben. Da ist wohl nichts mehr mit abends "einen drauf machen".). Nur Julia meinte, sie käme evtl. nach, wenn sie es noch schafft... - was dann aber nicht der Fall war. Und so saß ich dann alleine im Pub über meinem Geburtstagsbier. Und dabei habe ich gelernt, dass ich wahrscheinlich nicht zum einsamen Trinker tauge. Auch eine lohnenswerte Selbsterkenntnis...

Zuhause erwartete mich dann eine Überraschung: Fran und Mike warteten schon auf mich. Sie hatten mir eine Geburtstagstorte gekauft (Bild oben), ich bekam eine tolle Karte, und sogar ein Geschenk - und zwar eine "Sigmund Freud action figure" (links im Bilde)! Ich weiß nicht warum, aber lustig auf alle Fälle (wahrscheinlich, weil Mike Psychater ist und wir uns neulich kurz über Freud unterhalten haben...)

Dazu noch:
"Mit Sicherheit weiß ich nur das eine, daß die Werturteile der Menschen unbedingt von ihren Glückswünschen geleitet werden, also ein Versuch sind, ihre Illusionen mit Argumenten zu stützen. […] Die Schicksalsfrage der Menschenart scheint mir zu sein, ob und in welchem Maße es ihrer Kulturentwicklung gelingen wird, der Störung des Zusammenlebens durch den menschlichen Aggressions- und Selbstvernichtungstrieb Herr zu werden." - Das Unbehagen in der Kultur, 1930, VIII

"Die große Frage, die ich trotz meines dreißigjährigen Studiums der weiblichen Seele nicht zu beantworten vermag, lautet: »Was will eine Frau eigentlich?«" zugeschrieben


Kleiner Mann, große Worte...

Fast hätte ich's vergessen: Ich möchte Euch natürlich nicht den "Mathe"-Witz vorenthalten, den Michael so verzweifelt versucht hat ins Netz zu stellen (siehe Kommentare vom 13. Aug)


Sonntag, August 13, 2006

13. Aug: Ein freier Tag

Heute habe ich mir mal nichts (!) vorgenommen. Höchstens vielleicht ein kleiner Museumsbesuch, aber selbst das war zu Beginn es Tages nicht sicher.
So habe ich heute richtig lange geschlafen, schön gefrühstückt und dann noch was gelesen. Und da ich morgen im Labor irgendetwas Kuchenähnliches mitbringen wollte, bin ich danach zum Supermarkt gefahren um Zutaten für Muffins zu kaufen. Ich habe mich dann aber - entgegen meiner bisherigen Einstellung - für eine Muffin-Ferigmischung entschieden. Und zwar vor allem, weil die viel billiger ist, als wenn ich die Zutaten kaufe und dann alles selber mache. Außerdem war ich noch ein einem kleinen und wirklich netten Buchladen hier in der Nähe.

Tja, und den Nachmittag habe ich dann auf der Terrasse mit meinem Buch und dem Laptop verbracht. Lesen und sinnloses im Internet surfen. Ich habe bisher nicht eine von den zahlreichen Mails geschrieben, die ich schon seit Tagen vor mir herschiebe und zu denen ich bisher nie gekommen bin. Aber wenigstens habe ich 50 % der noch nachzuholenden Tagebucheinträge geschafft. Denn ich habe den Eintrag von meinem ersten Tag (29. Juli) nachgeholt. Schaut da mal nach...

Samstag, August 12, 2006

12. Aug: Boston Harbor Islands

Da ja nichts war mit Hiking in den "White Mountains", ich aber meine niegelnagelneuen Wanderschuhe bereits eingelaufen habe, musste heute eine Alternative her. Der Lonely Planet empfahl für einen solchen Fall einen Besuch der "Boston Harbor Islands" (siehe Karte rechts). Zuvor stand aber die viel schwierigere Frage, ob ich ausschlafe, oder mich früh aufmache, wie ich es auch für den White Mountain Ausflug gemacht hätte (es sollte um 7:30 los gehen). Als dann der Wecker morgens klingelte war die Entscheidung schnell getroffen; ich bin noch 10 Minuten liegen geblieben...
Dennoch: Um 10 war ich aus dem Haus! Die Fahrt zum Hafen (mitten in der Stadt) hat dann ungefähr eine Stunde gedauert (ich wohne doch weiter außerhalb, als ich manchmal war haben möchte), so dass ich um 11:00 auf der Fähre nach "Georges Island" saß. Diese Insel ist der zentrale Anlaufpunkt für fast alle anderen. Man bezahlt für diese Fähre 12$ und kann dann die kleineren Fähren zwischen den Inseln frei benutzen. Und bereits auf der Fähre hatte ich reichlich Motive für meine Kamera, unter anderem wieder einmal die tolle Skyline von Boston.
Schon vor der Abfahrt hatte ich mich bei einem Parkranger (die Inseln sind Nationalpark) erkundigt, welche Insel denn für Hiking am besten wäre. Mir wurde Peddocks Island und Spectacle Island empfohlen. Da die Fähre auf ihrem Weg zuerst auf Spectacle Island Halt machte, konnte ich mich also quasi auf dem Weg entscheiden. Da Spectacle Island aber eher unspektakulär aussah - nämlich so, als ob hier nur Gras und Büsche wachsen - dachte ich mir, dass ich doch lieber weiterfahre. Auf Georges Island angekommen musste ich dann feststellen, dass die Weiterfahrt nach Peddocks Island erst um Viertel nach eins erfolgt und dann auch noch über eine Stunde dauert, da das "Inseltaxi" im Kreis fährt und Peddocks Island nun mal die letzte Insel ist. Ich hatte also genug Zeit mir Georges Island anzusehen. Da dort heute "Patriots and Prisoners Day" war, gab es Führungen durch Fort Warren, inkl. kostümierter Kulisse aus Bürgerkriegszeiten. Wieder einmal wäre Daniel davon bestimmt sehr angetan gewesen.
Aber da die Insel ausschließlich aus dem Fort besteht, dass nun auch nicht wieder so abwechslungsreich ist, habe ich dann doch die Fähre nach Peddocks Island genommen um wenigstens noch zwei Stunden wandern zu können (länger ging nicht, da dann auch schon wieder die letzte Fähre die Insel verließ).
Also: Los ging es. Doch Inseln haben die Eigenschaft, dass ihre Fläche begrenzt ist, und diese Insel - obwohl mit die größte der Harbor Islands - hatte ich nach etwas weniger als einer Stunde vom einem zum anderen Ende erlaufen. Fehlte also nur noch der Weg zurück. Die Tour war zwar schön, aber irgendwie muss ich doch an den Amis zweifeln: Die Landschaft und die Natur, um das mal so pauschal zu sagen, waren nicht das, was ich mir von einem Nationalpark erwartet hätte. In Deutschland würde man das bestimmt nicht als Naturschutzgebiet ausweisen... Aber Amerika ist Amerika und hier ist eh alles anders.
Was auf Peddocks Island außerdem noch hinzukommt ist, dass einige hier ihr Ferien"haus" (eher Bruchbude) stehen haben und an schönen Wochenenden mit dem Boot rüber kommen. So war denn dann auch die Bucht mit massenweise geankerten Booten bevölkert. Es steht auf jeden Fall fest, dass es in Boston sehr viele wohlhabende Leute gibt!
Aber auf jeden wohlhabend genug, um sich die Boote etc. zu erlauben.

Vor meiner Abfahr von der Insel habe ich mir dann noch ein Picknick erlaubt. Und dann ging es auch schon wieder zurück nach Georgs Island und weiter zum Festland. In Boston bin ich dann noch ein wenig umher gelaufen, aber ich war dann doch müder als ich dachte, so dass ich schon recht früh für einen Samstag abend wieder daheim war. Aber dafür gab's dann noch was leckeres zu essen und ein kleines Bierchen dazu...
Übrigens: Heute ist der erste Abend, an dem es so kühl ist, dass ich mir einen Pullover übergezogen habe. Während als bei Heike in Australien die Tage langsam wärmer zu werden scheinen, kann ich mich hier schon langsam auf das Gegenteil vorbereiten. Aber ich bin vorbereitet...

Freitag, August 11, 2006

11. Aug: Mein Freund, das Internet???

Was wäre die heutige Welt, wenn nicht (fast) jeder Rechner über eine Datenleitung an unzählige weitere Rechner gekoppelt wäre? Vielleicht etwas stromsparender, aber mit Sicherheit ganz schön anders. Und wer nicht dazu gehört, der sperrt sich von vielem aus. (Obwohl ich zugeben muss, dass meine Großeltern bisher auch bemerkenswert gut ohne dieses Wunder) Ich z.B. hätte ohne das Internet (für alle, die es sich noch nicht gedacht hatten, davon rede ich gerade. (-; ) nicht so einfach die Möglichkeit Euch alle mit meinem täglichen großen und (meist) kleinen Erlebnissen zu beglücken...

Und da ich heute mal wieder etwas Zeit zwischendurch hatte, habe ich doch direkt mal meine Präsenz im www um einiges ausgeweitet. Ihr (bzw. nur die von Euch, die sich davon nicht ausschließen) findet mich seit heute im Studieverzeichnis und ich habe mir ein ICQ-Account (Nr.328-584-135) mit dem tollen Nickname Jasn zugelegt. Ich bin zwar kein Freund von diesem "man verwendet im Internet nur Spitznamen"-Dedöns, aber für ICQ hielt ich das für besser. Allerdings ist Jasn eine Abkürzung für ???? - Wer Lust hat, kann ja etwas rumraten. Ich werde dann die amüsantesten, nettesten und/oder ironischsten Antworten zusammen mit meiner "Anwort" im Laufe der Woche posten. (Dies ist mein erster Versuch diesen Blog etwas interaktiver zu gestalten. Anregungen für weitere Spielchen nehme ich gerne entgegen...)

OK, zurück in die Realität - für mich also zurück nach Boston: Meine Blots haben heute mal wieder nicht ganz das erhoffte Ergebnis gebracht. Aber - Trommelwirbel - zumindest haben wir jetzt eine gute Ahnung, woran es liegen könnte, dass die vorherigen Versuche nicht klappten: Bei dem einen Substrat funktioniert unsere Immunpräzipitation einfach nicht (blöde Antikörper), während das andere Substrat vielleicht gar nicht erst von unserem Stamm expremiert wird. Das werde ich dann am Montag klären.

Von diesen "Ergebnissen" abgesehen hatten wir heute wieder einen besonderen Vortrag. Zu Gast war Dirk Görlich (die Lübecker sollten ihn kennen; Anfang März im Zellbiologischen Kolloquium gewesen und "Entdecker" der Importine) mit dem Thema "The Permeability Barrier of The Nuclear Pore Complex". Nicht schlecht, was die da in Heidelberg so treiben. Allerdings nicht mehr lange, denn so wie ich das verstanden habe wird Dirk Görlich demnächst Direktor eines MPI's in Göttingen. Tja, an die HMS kommt nicht jeder ;-)

Und nach dem Vortrag habe ich dann um vier Uhr Schluß gemacht. Bevor ich nach Hause gefahren bin, war ich noch erst fürs Wochenende einkaufen. Und die Preise sind in der Zwischenzeit nicht besser geworden. Aber was soll's? Irgendwovon muss der Mensch ja leben. Deswegen bin ich seit heute auch Besitzer von "Peanut butter" auf die die Amis doch so stehen. Das muss ich doch auch mal ausprobieren.
Beim Einkaufen habe ich dann noch eine etwas ältere Dame (Susann) getroffen, die in der Schlange hinter mir stand und mich, nachdem sie mich einige Zeit gemustert hatte, fragte was das auf meinem T-Shirt (eins von meinen Uni Lübeck Shirts) heißen soll. Als ich dann sagte, dass ich aus Deutschland wäre und dort eigentlich studiere, hat sie mir freudestrahlend erzählt, dass sie letztes Jahr im Sommer in Deutschland Urlaub gemacht hätte und wie schön es gewesen wäre und wie nett alle waren. Wir unterhalten uns also eine Weile und dann bittet sie mich ihr meine Mailadresse aufzuschreiben. Weiß der Himmel wofür... Höre ich wahrscheinlich nie was von.

Zwei Dinge noch am Rande:
Zum einen fahre ich morgen nicht zum Mt. Lafayette, da Tom mich quasi wieder ausladen musste. Das hat aber nichts mit meiner Person zu tun, sondern schlicht und allein damit, dass sein Wagen mit ihm, seiner Tocher und Anhang sowie mit Dirk Görlich nebst einer Freundin bereits voll ist. Und da kein andere aus dem Lab mitfährt, steht auch kein weitere Wagen zur Verfügung. Aber so werde ich einfach meinen ursprünglichen Plan verfolgen und trotzdem morgen Hiken gehen. Und zwar in den Bostoner Hafen. Nein, das habt ihr schon richtig verstanden. Allerdings muss ich erklärend hinzufügen, dass in/vor der Hafenbucht mehrere kleine Inseln liegen, die Naturreservate sind und sehr schön sein sollen!
Das zweite ist, dass ich dieses Wochenende "sturmfrei" habe. Fran und Mike sind übers Wochenende weg und haben mir quasi das Haus anvertraut. Blöd nur, dass ich kaum jemanden hier kenne um eine wilde Party/Orgie zu veranstalten.

Donnerstag, August 10, 2006

10. Aug: Gähn

Oh ha; ich gähne mich schon durch den ganzen Tag, so dass ich das für eine angemessene Überschrift für heute halte...
Habe aus irgendeinem undefiniertem Grund total misserabel geschlafen und bin deswegen beim Aufstehen nicht mehr als ein Häuflein Elend. Das wird etwas besser, als ich unter der kalten Dusche stehe, die zum ersten Mal, seit dem ich hier bin, etwas aufweißt, was wir bei uns "Wasserdruck" nennen würden. Prima - hoffentlich bleibt das so!

Außerdem bin ich seit heute quasi ein Fan von Trocknern. Ich hatte die Nacht über meine Wäsche (die natürlich vorher gewaschen wurde) drin und heute morgen war sie nicht nur trocken, sondern auch dergestalt, dass ich die T-Shirt nicht mal bügeln müsste; selbst wenn ich dazu eine Möglichkeit hätte...

Was noch? Ach ja, heute war der erste Tag im Labor, an dem ich nicht Unmengen an Zeit tot schlagen musste. Endlich konnte ich mehrere Sachen machen, so dass Wartezeiten in einem Versuch durch andere Arbeiten angefüllt waren. Die Ergebnisse bekomme ich aber erst morgen.

Außerdem war heute um 16:00 wieder Department "Tea-Time". Und ich musste feststellen, dass die Leute aus meinem Lab irgendwie einen Hang zum Separatismus haben. Jetzt ist da schon diese Möglichkeit mal andere Leute zu treffen, und die setzen sich in einen Nachbarraum... So bekomme ich mit Sicherheit keine neuen Leute vorgestellt.

Der Hiking-Ausflug (dank Monika kann ich Euch übrigens sagen, dass die 3000 feet Höhenunterschied knapp 1000m sind) am Samstag ist meiner Meinung nach auch nicht (mehr) gesichert. Tom hat unter seinen Hinweis, dass er die Tour machen will die Bemerkung gesetzt, dass jeder, der mitwill dort doch bitte kurz seinen Namen hinschreiben soll. Und als ich vorhin das Lab verließ war ich nach wie vor der einzige. Und ich kann mir nicht so richtig vorstellen, wie das werde könnte, wenn nur Tom und ich den Ausflug machen. Sagt er dann vielleicht eher ab? Mehr dazu in der nächsten Folge - gleiche Welle, gleiche Stelle...

Mittwoch, August 09, 2006

09. Aug: Poesie

Nach dem Tag gestern habe ich es mir heute mal gegönnt und bis 7:00 geschlafen. Und das hat richtig gut getan, ich hatte richtig gute Laune den ganzen Morgen über. (Das liegt vielleicht aber auch daran, dass ich heute morgen kaum noch was von dem schlimmen Sonnenbrand gespürt habe, den ich mir am Sonntag auf dem Rücken zugezogen habe. Sich alleine den Rücken einschmieren ist doch wirklich verzwickter als ich dachte. Dafür konnte ich aber genau die Stellen erkennen, an denen man sich selbst einreiben kann und die, die man nicht erreicht...)
Und trotz der halben Stunde länger im Bett bin ich auch nur eine Viertel Stunde später als sonst im Labor gewesen.
Nebenbei: Da mein Weg morgens zum Labor so aussieht, dass ich zuerst 15 Minuten Rad fahre (morgens bergab, abends dann bergauf...), dann ca. eine Viertel Stunde in der Bahn sitze um noch einen zehnminütigen Fußweg vor mir zu haben, habe ich mir am Wochenende ein Buch gekauft (The Da Vinci Code, weil das ja alle lesen), dass ich nun portionsweise morgens und abends zu mir nehme. Schlimm diese Pendelei...
Im Labor erwartete mich dann keine Überraschung - man weiß ja nie - sondern nur der normale Arbeitsalltag. Und am Ende stellt sich dann heraus, dass der Blot von heute auch nicht besser ist als der gestrige, so dass wir ab morgen auf Fehlersuche gehen werden.

Und dann habe ich heute noch eine Mail bekommen, über die ich mich sehr gefreut habe. Benedict (für alle, die's nicht wissen: mein jüngster Bruder) hat mir vefrühte Geburtstagsgrüße sowie ein kleines Gedicht gesendet. Und auf besonderen Wunsch des Autors werde ich das natürlich gerne Euch allen verfügbar machen:

Wir vermisssen dich sehr
auch weit, weit übers Meer
Aber am meisten ich
weil ich liebe dich.

Wenn ich lese von dir,
wird es warm ums Herze mir.
Und ich lern jedes Wort,
ich will zu dir sofort.

Die Zeit ohne dich,
ist nicht so schön für mich.
Denn ich kann dich nicht sprechen,
dafür werde ich mich an dir rächen.

Von der Drohung am Ende mal abgesehen finde ich es wirklich eine Glanzleistung, vor allem da ich weiß, dass er es auch so meint. (Und ja: Ich vermisse Euch auch) Vielleicht können wir von diesem jungen Poeten in Zukunft ja noch mehr erwarten.

Davon mal abgesehen war der heutige Tag sehr ereignislos. Worauf mich aber seit heute freuen kann sind die Pläne für Samstag. Tom hat nämlich angekündigt, dass er am Samstag mit dem Lab (bzw. mit denen die Lust haben) eine Hiking-Tour zum Mt. Lafayette im White Mountain National Park machen möchte. Sechs Stunden wandern und dabei ungefähr 3000 feet Höhenunterschied überwinden (keine Ahnung wie viel das in richtigen Maßeinheiten ist...)
Und da ich sowieso in diesen Park wollte, werde ich natürlich mitfahren (womit ich also auch direkt eine Fahrgelegenheit haben werde).
Als Vorbereitung darauf muss ich jetzt natürlich noch meine Wanderschuhe einlaufen. Jetzt im Moment habe ich sie an, aber ob ich damit morgen wirklich ins Labor gehen werde, dass weiß ich noch nicht.

Dienstag, August 08, 2006

08. Aug

Heute haben wir um 9:30 Lab-Meeting, diesmal mit einem Gast, so dass Pünktlichkeit angesagt ist. Aber eigentlich möchte ich gerne vorher schon meine Proben von gestern aufbereiten und aufs Gel laden. Das bedeutet, dass ich um ca. 8 Uhr im Lab sein muß, was wiederum 6 Uhr aufstehen heißt. Dummerweise hatte Fran gestern abend noch relativ lange Besuch. Nicht dass ich dabei gesessen hätte, aber etwas lauter als sonst war es schon, so dass ich lange nicht einschlafen konnte. Wie auch immer; ich habe (mal wieder) zu wenig geschlafen. Dennoch schaffe ich es püntlich im Lab zu sein (und das, obwohl mir auch noch unterwegs die Kette vom Fahrrad springt und sich verhakt). Um diese frühe Zeit (8 Uhr) bin ich dann auch erst der zweite, der da ist...
Ich lege also los mit zentrifugieren, waschen etc und 9:30 rückt immer näher. Und im Endeffekt fehlen mir nur ungefähr zehn Minuten (die Zeit, die ich mit der Fahrradkette verbracht habe), die ich noch gebraucht hätte. Da ich die aber nun mal nicht habe, stehen meine Proben bis zum Ende des Vortrags auf Eis und ich kann das Gel erst danach starten. Im Endeffekt bin ich also nicht viel schneller, als wenn ich erst um 9:30 im Labor gewesen wäre...
Na ja, zur Entschädigung gibt's - wie immer Dienstags beim Lab-Meeting - ein gemeinsames Frühstueck (Tom bezahlt), diesmal mit frischen Erdbeeren - mhhh!

Und sonst so: Waschen, blotten, waschen, inkubieren etc. Was man eben so im Lab macht; ach ja, und Kuchen essen, da Jiqing heute Geburtstag feiert. (Muss ich also an meinem Geburtstag auch eine Sahnetorte kaufen?)
Am Abend dann die Enttäuschung: Die Blots zeigen nicht das erhoffte Ergebnis. Ich werde also morgen noch mal ein ähnliches Spiel starten müssen.

Vielleicht noch ein kleiner Nachtrag zu gestern. Fran versucht schon seitdem ich hier bin gleichaltrige Gesellschaft in ihrem Bekanntenkreis für mich aufzutreiben (nicht, dass ich danach gefragt hätte, aber wenn sie zufällig jemanden findet, der mich am Wochenende mit ins Nachtleben entführt...). Und gestern war es wieder soweit. Sie stellt mich einer ihrer Freundinen vor, die eine 22 jährige Tochter hat. Diese studiere am MIT "molecular engineering" und sei "very socialising" (so ihre Mutter). Ich solle ihr mal meine Email-Adresse aufschreiben und sie würde sie dann ihrer Tochter geben, aber sie könne nicht sagen, ob sie sich dann meldet, da sie "so much friends" hat, dass da wenig Zeit bleibe...
Na so etwas. Auf jeden Fall war Fran darüber sehr glücklich.

Außerdem habe ich heute, als ich dann gegen 20:00 Uhr zu Hause angekommen bin zum ersten mal in Amiland gekocht. Und es ist direkt so viel geworden, dass es für die nächsten vier Tage reicht. Yippieh, mittags nicht mehr nur die Wahl zwischen mitgebrachtem Sandwich oder teurem Essen!

Montag, August 07, 2006

07. Aug: Arbeit

Nachdem ich die Ankündigung schon mehrmals gemacht und nicht eingehalten habe: Heute wird's kurz (OK, ihr wisst ja wie das ist, wenn ich mich kurz fassen soll...)!

Bin heute morgen um halb neun im Labor gewesen (und ja, das ist früh, da ich erstens dafür um halb sieben aufstehen muss und sich zweitens das Labor hier auch erst so ab halb zehn mit Leuten füllt), nur um festzustellen, dass diese blöden Hefen noch nicht genug gewachsen sind und noch bis 11:00 brauchen. Na toll. Immerhin kann ich etwas von dem nachholen, was ich eigentlich schon gestern machen wollte, nämlich Wochenendblogs schreiben.
Tja und ab 11:00 ist dann harte Arbeit angesagt. Zum Glück habe ich wenigstens eine halbe Stunde Zentrifugation zwischendurch, in der ich mal Mittag machen kann. Und gegen 18:30 bin ich dann fertig und verlasse das Lab.

Wie gesagt, heute mal in kurz.

Noch was für die Lübecker Biologie (besonders Nico und Ulrike): Ich habe heute nebenbei mitbekommen wie Pedro eine yeast-colony-PCR machte. Und da ich damals ja fast zwei Wochen daran rumgebastelt habe, frage ich natürlich, wie er das macht. Und er schaut ganz erstaunt, als ich erzähle, was ich alles ausprobieren musste, bis es klappte. Denn er setzt nur eine simple PCR-Reaktion an und gibt ein paar Zellen dazu. Aus die Maus.
Allerdings meint er, dass es vielleicht an der Polymerase liegen könnte, denn die muss schon ein paar Proteasen, die yeast nun mal hat, aushalten. Die benutzen hier dafür eine kommerzielle Polymerase von Roche (eine billige). Vielleicht haben wir da an der falschen Stelle gespart...

Sonntag, August 06, 2006

06. Aug: A cosy day

Heute will ich mal nicht viel machen. Das Rumlaufen gestern war zwar nett, aber trotzdem anstrengend. Ich will die Gelegenheit nutzen, um mal den Blog auf ganz aktuellen Stand zu bringen und endlich mal ein paar Mails zu beantworten (quasi Fan-Post (-;) Allerdings nicht den ganzen Tag, schließlich gibt's ja besseres als nur am Computer zu sitzen. Und da heute die Sonne vom Himmel lacht (wie eigentlich schon fast seit dem ich hier bin) beschließe ich ein paar Stunden am Strand einzulegen. Mein ansonsten so treuer Reisebegleiter, der "Lonely Planet", lässt mich hier allerdings etwas im Stich. Zwar werden einige Strände aufgelistet - bestimmt wahre Traumstrände - allerdings würde ich bis dorthin bestimmt mindestens ein einhalb Stunden brauchen. Und für nur zwei Stunden am Strand ist mir das dann doch zu weit. Aber Fran meint, dass es einen netten Strand auf "Castle Island" gäbe. Und zum Glück gibt es ja Internet, so dass ich schnell erfahre, dass ich da per T-Line eigentlich nicht all zu lange brauchen sollte. Also auf geht's...

Ist auch gar nicht schwer zu finden, so dass schon bald meine Füße im Atlantik stehen! (Ihr wisst, wie gerne ich Fußfotos mache, und die will ich Euch nicht vorenthalten...) Tja und nach einem bißchen Schwimmen verbringe ich ein bis zwei Stunden damit mich von der Sonne braten zu lassen und nebenbei den "Xenophobus guide to America" (sponsered by friends...) zu lesen. Ich vermute, dass die Autorin (eine NY'in) einfach alles genommen hat, was ihr so einfiel und dann ins lächerliche verdreht. Das ist zwar teilweise echt lustig, aber das einzige was man darin über Amerika lernt ist, dass alle anders sind...

Irgendwann habe ich dann die Schnauze voll und mache mich auf den Weg zurück. Und dabei werde ich Zeuge des „Breast Cancer 3-Day“. So ganz habe ich das nicht verstanden, aber es geht wohl darum, dass die Beteiligten drei Tage wandern, um Fundraising für eine „Breast Cancer Foundation“ zu betreiben. Und heute ist Zieleinlauf.

Die „Geher“ werden ungefähr so gefeiert wie die Fahrer der Tour de France am Ziel einer Alpenetappe: Plakate, Blumen, schreiende Fans, riesige Trucks (!) mit Ausrüstung und massenweise Leute mit „staff“ T-Shirts... Mit dem "Xenophobus guide to America" im Hinterkopf weiß ich ja, dass Amerikaner sich gerne für alles feiern und einfach immer gute Laune im Höchstmaß verbreiten müssen. Aber dennoch; mir kommt das hier etwas komisch vor.
Wieder in Boston angekommen (der Weg zurück nach Newton führt über Boston-„Downtown“) beschließe ich das gute Wetter noch für einige Panoramafotos zu nutzen. Laut "Lonely Planet" hat man den besten Blick auf die Stadt, wenn man auf der Longfellow-Brücke den Charlesriver überquert. Und wirklich, der Blick ist unglaublich (noch dazu bei dem Wetter)!

Nachdem ich mich dann von diesem Anblick losgelöst habe, bummel ich noch ein bisschen durch „Back Bay“ um dann endlich zurück zu fahren. Wie ihr mittlerweile vielleicht schon vermutet: So früh am Tag ist es nicht mehr, als dass ich wirklich noch schaffen könnte, Mails und Blog zu schreiben, sowie – wie ursprünglich geplant – zu kochen. Es kann also noch eine weitere Woche dauern, bis meine ersten Eindrücke von Boston (die ich am vergangenen Wochenende machte) niedergetippt sind...

Samstag, August 05, 2006

05. Aug: geheiligter Boden

Nach der Party gestern muss ich heute erst einmal ausschlafen. Nicht, dass mich das geschafft hätte, erst um zwölf im Bett zu sein, aber allzuviel Schlaf habe ich die Woche über nun auch wieder nicht bekommen.

Nach einem ausgiebigen Frühstück mache ich mich dann gegen mittag auf in die Stadt. Da ich immer noch keine Monatskarte für die U-Bahn habe, muss ich nach wie vor drei Dollar dafür berappen. Also kaufe ich mir in der Stadt (bei uns draußen kann man die nun einmal nicht kaufen) am Automaten mein August „CharlieTicket“ für T-Line und Busse. Dies ist der erste Kauf, den ich mit meiner Credit-Karte (Visa-Gold!!!) tätige. Und das geht total einfach und ohne Geheimzahl. Das heißt, ich muss aufpassen, dass mir die keiner klaut.

Für heute stehen mehrere Dinge auf dem Programm: Zunächst werde ich meinen „Walk of the Freedom Trail“ vom letzten Sonntag beenden, um dann nach Cambridge zum Harvard-Campus zu fahren. Und abends möchte ich dann noch mal im Boston Common – dem großen Stadtpark – vorbei schauen, denn ich habe gelesen, dass um acht dort eine "for free" Shakespeare Aufführung sein wird. Also: auf geht’s!

Der „Freedom Trail“ führt mich also in den Ortsteil Charlestown, genauer gesagt zur alten Boston Navy Werft, die mittlerweile außer Betrieb genommen wurde und Hauptbestandteil des Boston National Historical Park ist. Zu sehen gibt es hier zum einen die USS Constitution. Das ist ein altes Kriegsschiff aus dem Jahr 1797, das – soweit ich das verstanden habe – immer noch im Dienst ist. Außerdem kann man hier noch die USS Cassin Young, einen Zerstörer aus dem zweiten Weltkrieg, besichtigen. Das hier wäre auf jeden Fall was für Daniel (hey, ich habe nur für Dich einige Fotos extra gemacht…)

Dann geht’s weiter zum Bunker Hill Monument, wo vor einigen hundert Jahren (na ja, so lange – verglichen mit europäischer Geschichte – kann das ja noch nicht her sein (-; ) die Amis für die Freiheit gegen die Briten gekämpft haben. Wer diese eine Schlacht hier nun wirklich gewonnen hat, ist aber aus meiner Sicht nicht so ganz klar… Leider ist das Monument wegen Restaurierungsarbeiten den ganzen Sommer über geschlossen. Schade, denn die Aussicht von dort oben muss super sein. Nachdem ich noch ein wenig durch die vielen kleinen Gassen von Charlestown geschlendert bin, mache ich mich per U-Bahn auf nach Cambridge, wo sich die sagenhafte “Harvard university” befindet. Man merke an dieser Stelle an: Cambridge ist eine eigene Stadt und gehört streng genommen nicht zu Boston, während die Harvard Medical School wiederum in Boston steht… (Nur so am Rande)

Harvard Campus ist dann auch der Name der U-Bahn Station. Bevor ich jedoch den Campus betrete gehe ich erst einmal in eine kleinen, aber sehr netten Caffee Mittag (es ist mittlerweile fast 17:00) essen. Und wieder einmal bin ich von den Preisen verblüfft: Ein grilled chicken sandwich mit einem Glas Eistee kosten mich fast 10 Dollar. Aber was soll’s? Ich habe Urlaub; zumindest heute.

Und dann ist es endlich so weit: Ich betrete den „geheiligten“ Boden der Harvard University. Und natürlich mache ich jede Menge Fotos, inklusive dem einen, dass jeder Tourist hier macht: Ich neben der Statur von John Harvard, der - nebenbei gesagt - nicht der Gründer der Universität ist. Im „Lonely Planet“ steht dazu:
"Daniel Chester French's sculpture (eben diese), inscripbed 'John Harvard, Founder of Harvard College, 1638,' is known as the statue of three lies: (1) it does not actually depict Harvard (since no image of him exist), but a student chosen at random; (2) John Harvard was not the founder of the college, but its first benefactor in 1638; (3) the college was actually founded two years earlier in1636. The Harvard symbol hardly lives up to the university's motto, Veritas, or 'Truth.' " Damit wäre wohl alles gesagt.

Ich glaube, ich werde irgendwann auf jeden Fall noch mal hierhin kommen und eine geführte Tour über den Campus machen...

Nachdem ich eine ganze Weile auf dem Campus war fahre ich zurück in die Stadt. Im größten städtischen Park, dem Boston Common, gibt nämlich den ganzen Sommer über abends Open Air Aufführungen von Shakespeare Werken. Dieses Jahr: The Taming of the Shrew (Der Widerspenstigen Zähmung). Man muss sich das wie folgt vorstellen: Am Rand des Parks steht hier eine riesige Bühne. Und davor haben sich bereits unzählige Besucher auf dem Rasen nieder gelassen, viele mit kleinen Campingstühlen oder Picknickdecken. Das ist hier mehr wie eine große Grillparty (nur ohne Grill) als wie Theater. Eben ein “Event”.

Und so ist dann auch die Inzenierung: Zwar ist The Taming of the Shrew eine Komödie, doch hier verwandelt es sich eher in Slapstick... Amüsant und unterhaltsam, aber eben nicht das, was ich von Shakespeare Aufführungen gewohnt bin. Dennoch war es ein netter Abend. Gegen Mitternacht komme ich dann nach Hause zurück (ich hatte mir übrigens wirklich ein Fahrradlicht für “nur” 12 Dollar gekauft, so dass ich relativ sicher nach Hause gekommen bin...)

Freitag, August 04, 2006

04. Aug: Wenn das jeden Freitag so wird...

Im Labor ist immer noch Einführungswoche angesagt. Aber heute werde ich schon mal vormittags was zu tun haben, nämlich die Blots von gestern waschen und mit Sekundärantikörper inkubieren... Nicht unbedingt tagesfüllend, aber immerhin. Außerdem muss neuer Puffer angesetzt werden. Alles im allen bin ich also für den Vormittag so weit erst mal beschäfftigt. Und als wir den Blot dann irgendwann auslesen ist das Resultat eher ernüchternd: Nichts, bzw. nicht das richtige zu sehen. Das müssen wir wohl nochmal machen. Aber dafür bin ich ja noch acht Wochen lang hier...

Nach dem Mittagessen haben wir um 14:00 Journal-Club. Gut daran ist, dass ich dann was zu tun habe, eher schlecht ist, dass derjenige, der den Vortrag hält der selbe ist wie am Dienstag beim Lab-Meeting, so dass es also um ein Struktur-Paper geht. Aber das hatte ich schon vorher gelesen, so dass ich dem Vortrag auch gut folgen konnte. Und um ehrlich zu sein: es war gar nicht mal so uninteressant. Zumindest habe ich die Lehre gezogen, dass unsere ganzen Kurse über Strukturanalytik - sei es nun NMR oder Kristallographie - doch zu was nütze waren, denn immerhin saß ich nicht nur dumm daneben...

Da heute Freitag ist, lerne ich um 17:00 eine weitere Besonderheit hier kennen: Friday Happy Hour! Ist toll, sollten wir in Lübeck auch einführen... Im Grunde heißt Happy Hour nichts anderes, als dass alle aus dem Department sich treffen, gemeinsam essen und Bier trinken; so eine Art Stehparty. Und ein Labor muss das immer organisieren (und natürlich auch bezahlen...). Heute gab es ein Buffet vom Chinesen und dazu Pizza. Wie es zu dieser Kombination kommt? Keine Ahnung, aber das und meine zwei Bier lassen den Nachmittag doch wirklich gut ausklingen.

Nicht das ihr denkt, der Tag wäre damit schon gelaufen. Nein, denn um halb sieben machen wir uns auf, um nach Brockline zu Tom zu laufen. Denn Tom hat heute das ganze Lab zu einer Party eingeladen. Grund ist, dass wir Abschied von einer Postdoc, einer PhD-Studentin und einer Rotation-Studentin feiern. So werden also auf Toms Balkon Tonnen an Fleisch und Gemüsespießen gegrillt. Ach ja, und dazu gibt es Bier und Vodka...

Alles in allem ein wirklich netter Abend, bis sich auf einmal - um kurz nach zehn - alle verabschieden und weg sind, und nur ich, der das nicht so richtig mitbekommen hat, quasi alleine dableibt. Die Frage für mich an dieser Stelle ist nun, was weniger peinlich ist? Sich so schnell wie möglich auch aus dem Staub zu machen, oder noch kurz mithelfen beim Aufräumen der gröbsten Sachen, wie wir das zu Hause ja auch meist machen... Ich entscheide mich zunächst für das letztere, werde dann aber ziemlich bald von Iris - Toms Frau - mit einer Tüte voller leckrer Dinge, die übrig geblieben sind, heraus komplementiert... So what?

Auf also nach Hause. Gut nur, dass wir auf dem Weg zur Party an einer T-Station vorbei gekommen sind, so dass ich den Weg zumindest ungefähr kenne. Und das letzte Stück mit dem Fahrrad im Dunkel lässt sich auch machen, da nicht mehr so viel Verkehr auf den Straßen unterwegs ist. Allerdings fühle ich mich doch nicht so ganz wohl völlig ohne Licht. Morgen werde ich also versuchen irgendwo Fahrradlichter aufzutreiben...

Donnerstag, August 03, 2006

03. Aug: Routine

Heute morgen habe ich es mir mal gegönnt eine halbe Stunde länger zu schlafen. Und das war auch nötig, denn bei 30°C während der Nacht ist an ausgiebigen Schlaf nicht zu denken (das Problem hat Heike in Melbourne derzeit wohl kaum...).
Den Vormittag habe ich dann damit verbracht ein Paper zu studieren, aus dem wir eine Methode nachkochen wollen. Im Grunde hat die Gruppe von der das Paper stammt wirklich gut gearbeitet (so weit ich das beurteilen kann), aber ausgerechnet bei der uns interessierenden Methode fehlen genaue Angaben ("published elsewhere" oder "as specified by Garza et al. (2005 unpublishd yet)" ). Aber egal.

Mittags waren wir wieder lunchen. Da ich in der Cafeteria nicht nochmal sieben Dollar hinblättern wollte bin ich mit Karl (PhD-student) zum "China-truck". Das ist quasi ein Restaurant auf Rädern. Habe dort dann für nur vier Dollar Reis mit Schwein bekommen. War auch ganz gut, allerdings habe ich es wohl mit dem Nachwürzen etwas übertrieben, so dass es dann doch ziemlich scharf wurde. Und das ist bei der Hitze hier wirklich echt blöd.

Nach dem Lunch habe ich dann Rafah zugesehen, wie die Proben fürs SDS-Gel vorbereitet und beladen werden und wie man anschließend blottet. Wer das schon mal gemacht hat, der weiß, dass das nicht viel Arbeit ist, bzw. lange Wartezeiten bedeutet und außerdem auch nich so spannend ist. Aber nur noch eine Übernacht-Inkubation und dann morgen den Blot entwickeln und Montag kann ich dann (hoffentlich) loslegen!
Ach so: Heute war auch Department Tea-time. Da treffen sich Leute aus dem ganzen Department und es gibt Kekse und Tee für lau. Aber irgendwie war ich wohl zur falschen Zeit da, denn außer ein paar aus unserem Lab war da nicht viel los...

Als ich dann Feierabend mache, ist es überraschenderweise draußen so weit abgekühlt, dass man es als wirklich angenehm bezeichnen kann. Hoffentlich bleibt das morgen so!
Auf dem Weg nach Hause habe ich dann übrigens ein paar Fotos von der Gegend gemacht, in der ich nun eine Zeit lang wohnen werde. (Zwei habe ich ausgewählt, der Rest kommt dann irgendwann, wenn ich ein seperates Fotoalbum angelegt habe...)

That's it for the day.

Mittwoch, August 02, 2006

02. Aug: Bin ich nun drin?

Heute bin ich wahrscheinlich schnell fertig mit meinem Tagebuch. Das heißt, dass ich meine sicherlich gigantisch große Leserschaft nicht unnötig lange bei dem guten Wetter am Computer festhalten muss ;-)

Schon früh beim Verlassen des Hauses versprach der Tag ein ganz schön heißer zu werden. Und so kam es dann auch: Wir hatten mittags fast 100° in der Sonne! Wer jetzt denkt, ich würde Lügen, dem kann ich nur sagen: Asche auf Dein Haupt - ich und lügen...
Was ich allerdings nicht gesagt habe ist, dass es sich um 100° Fahrenheit handelt (Amis weigern sich ja bekanntlich SI-Standardeinheiten zu verwenden; ich werde Euch am des heutigen Blocks aber verraten, wie viel das in Celsius ist). Und das ist hier angeblich auch normal...

Ich war heute morgen fast als erstes beim ID-Office der Universität, um zumindest einen vorläufigen Ausweis zu bekommen. Denn die Wache am Eingang wollte mich heute morgen schon wieder nicht reinlassen. Heute musste mich sogar ein Kollege unten am Eingang abholen. Aber das ist jetzt erst einmal vorbei. Denn mit dem Ausweiß - wenn es auch nur ein vorläufiger ist - bin ich nun Mitglied im Club der Harvardianer!

Da Rafah erst zum Lunch ins Labor kommen kann, habe ich am Vormittag eigentlich nichts zu tun, ich kann mich also mit meinem Onlinekurs "Harvard Radiation Safety Training" beschäftigen. Nicht dass ich radiaktivem Material handhaben würde, aber irgendjemand im Lab macht ab und zu mal was, und somit haben wir hier geringe Mengen, und ich muss demnach einen Kurs machen. So what... Und die abschließenden Fragen sind auch eher ein Witz. Man muss zwar zum Bestehen alles richtig ankreuzen, aber wenn am Ende eine Antwort falsch ist, dann darf man diese eine Frage noch mal versuchen. Toll, oder? Bei diesem Kurs bekomme ich dann direkt auch wieder einen Beleg dafür, wie sehr man in diesem Land internationale Einheiten ablehnt. Es wird zwar am Anfang erwähnt, dass es für radioaktive Substanzen die Einheiten Gray und Sievert gemäß SI gibt, verwendet werden aber im Rest des Kurses nur rad und rem.

Zum Lunch gehen wir dann in die Cafeteria. Das Essen wird hier nach Gewicht bezahlt, was ich schon etwas komisch finde, aber na ja. Ich bin mit meinen 7 $ für Mittagessen noch relativ billig verglichen mit einigen anderen. Aber so kann das nicht weiter gehen. Ich glaube ich muss anfangen abends zu kochen und mir im Lab was in der Mikrowelle aufzuwärmen...

Übrigens: ein weiteres Indiz dafür, dass ich mich langsam hier im Lab einlebe ist, dass ich mitgenommen wurde, als heute um vier - und keine Sekunde früher (es gilt auch hier: Kein Bier vor vier) - einige aus dem Lab mit eiskaltem Bier (und einem Rest Vodka...) runter in die Hitze gingen um sich eine kleine Auszeit zu gönnen. Und was mich überraschte: Tom kam mit. War dann auch recht spaßig...

Um fünf war ich dann aus dem Lab raus. Und das kam mir ganz recht, denn ich hatte eigentlich schon gestern vor zu meinem ersten Supermarktbesuch aufzubrechen. Nachdem ich einige Zeit durch "Trader Joe's" gestreift bin, sieht mein Einkauf dann wie folgt aus: Kekse (3,99$), Sojamilch (1,49$) (richtige ist noch viel teurer), Tiefkühlgemüse (1,49$), Paprikabrotaufstrich (1,79$), ein Erdbeeryoghurt (0,69$), eine Dose Tunfisch (1,39$) und ein Brot (1,79$). Nicht unbedingt gesund oder ausgewogen, dafür aber gar nicht mal so teuer, wenn man hissige Preise betrachtet.

Lösung: Temperatur in Celsius = (T in Fahrenheit − 32) / 1,8
100 °F sind also 37,8 °C

Dienstag, August 01, 2006

01. Aug: Das Geheimnis Harvards

Mein zweiter Tag - Eigentlich müsste ich heute pünktlich um halb neun im Lab sein, aber ausgerechnet heute vertrödle ich irgendwie irgendwo Zeit. Um doch noch rechtzeitig da zu sein, muss ich von der T-Station bis zum Labor-Gebäude immer wieder ein paar Schritte laufen. Und das ist bei der schwülen Hitze, die wir heute morgen schon haben, sehr unangenehm. Und dann hält mich auch noch die Wache am Eingang auf! Sehe ich denn wirklich so gefährlich aus? Zumindest bekomme ich auch heute nach einem Kontrollanruf im Lab einen Besucher-Pass, der allerdings nur einen Tag gültig ist.

Im Lab angekommen machen wir - das heißt Tom, Pedro, Rafal und ich – uns direkt zu Dr. Randy King auf. Wir treffen uns mit ihm, da er einige Erfahrung im Umgang mit Ubiquitinierung hat. Und da wir genau das nachstellen wollen, hoffen wir von ihm ein paar gute Ratschläge zu bekommen. Und das scheint das tolle hier an der HMS zu sein: Egal was Du machen willst, Du findest fast immer jemanden, der damit zumindest etwas Erfahrung hat und nur einen Flur oder ein Stockwerk entfernt sitzt...

Nach diesem Treffen gehe ich noch schnell mit Pedro und Andy zu StarBucks. Und im ersten Moment hauen mich die Preise, die über der Theke zu lesen sind, um! Ab vier Doller aufwärts; für Kaffee oder Tee... Zum Glück sind das aber nur besondere Sachen. Mein normaler kleiner Kaffee ist im Endeffekt auch nicht viel teurer als in der Stadtbäckerei Lübeck (1, 55$). Aber dafür ist mehr drin als zu Hause (so viel, dass fast kein Platz mehr für Milch ist (-;).

Von StarBucks gehen wir direkt zum so genannten „Lab-Meeting“. Da stellt jeder reihum den Fortschritt seines Projektes dar. So bekomme ich also nach und nach einen Eindruck, was hier so alles gemacht wird. Nachdem einige kleineren Probleme besprochen wurden (defekte Zentrifuge, irgendwas an ein anderes Lab verliehen und nur kaputt zurück bekommen) stellt Tom mich noch ganz kurz vor und schon geht der Vortrag los. Heute ist einer dran, der versucht Sec61 bzw. SecYEG zusammen mit gebundenem Ribosom zu kristallisieren. Mal davon abgesehen, dass es sich um Kristallographie handelt, muss ich sagen, dass es dafür gar nicht so uninteressant ist. Denn immerhin hätte ich nicht gedacht, dass es möglich wäre einen so großen Komplex, der dazu noch teilweise aus einem Membranmolekül besteht, zu kristallisieren.

Außerdem machen wir heute ein Labor-Gruppenfoto. Ich denke, ich werde die Namen der Leute draufschreiben, damit ich nicht immer wieder fragen muss, wer das nun schon wieder war.

Und am Nachmittag habe ich dann einen Termin in der Verwaltung. Ich hoffe, dass ich dann endlich erfahre, wie ich einen Ausweis bekomme, damit ich nicht jeden morgen bei der Wache um Einlass ersuchen muss. Meine Frage wird zwar beantwortet, allerdings nicht zu meiner vollen Zufriedenheit. Ich kann mir zwar morgen im ID-Office eine „Green-Card“ (was auch immer das sein mag) abholen, mit meiner richtigen ID-Card dauert es aber noch etwas. Zunächst muss mir eine ID-Nummer zugeteilt werden. Die notwendigen Papiere dafür sind zum Glück bereits irgendwo im Verwaltungsapparat unterwegs. Sobald ich dann die Nummer habe kann ich meine Karte beantragen, vorausgesetzt, ich habe bis dahin zwei Kurse absolviert. Kurse? Ja, denn als neu Angestellter muss ich so was wie einen Strahlenschutzkurs ablegen (derzeit nur online) und ich muss an einem „New Research Orientation Training“ teilnehmen, das das nächste Mal erst am 17. August stattfindet. Super... Zumindest weiß ich nun, dass Deutschland nicht die schlimmste Bürokratie der Welt hat.

Nebenbei glaube ich heute auch das Geheimnis gelüftet zu haben, warum Harvard und das MIT hier in Boston so große internationale Erfolge verzeichnen. Es hat nichts damit zu tun, dass hier mehr Geld zur Verfügung gestellt wird (obwohl das bestimmt auch eine Rolle spielt), sondern vielmehr damit, dass das Wetter so heiß und drückend in den Sommermonaten ist, dass bestimmt niemand freiwillig das Labor oder den Gebäudekomplex verläßt, wo es dank air-Conditioning immer angenehm kühl ist. Denen bleibt hier nichts anderes übrig als viel zu arbeiten...