Samstag, September 30, 2006

30. Sept: Abschiedsparty

Heute ist der erste Tag nach Ablauf meines Visums. Innerhalb der nächsten 30 Tagen muss ich also das Land verlassen, wenn ich mich nicht illegal hier aufhalten will... Aber das ist ja kein Problem, da ich ja bereits am Mittwoch nach Kanada ausreisen werde (soweit die mich dann ins Land lassen).
Aber heute war noch mal Boston angesagt. Allerdings eher leichtes Programm. Zunächst bin ich zur Boston University (noch eine der vielen Unis hier in Boston) gefahren um mir im dortigen "Photographic Resource Center" eine Fotoausstellung anzusehen. Die war zwar nicht besonders groß, hatte aber einige hervorragende Bilder zu bieten. Da die Ausstellung zur Vorbereitung einer Auktion veranstaltet wurde waren zu allen Bilder Mindestgeboten angebracht. Und mir scheint fast, dass man davon leben könnte.
Danach ging zum Copley Square und weiter ins South End. Denn am Wochenende fand das Bostoner Musikfestival statt. Und im South End war eine der freien Bühnen. Allerdings war das etwas Hip-Hop lastig, was nicht so nach meinem Geschmack war. Allerdings hat sich die Fahrt dennoch gelohnt, da ich so auch mal durch diesen Teil Bostons gegangen bin. Und hier gibt es herrliche Ecken. Die Häuser im Stile victorianischer Reihenhäuser sind alle gut gepflegt und mit reichlich Pflanzen in allen Farben geschmückt. Sehr gemütlich Gegend. Das einzige, was zum idealen Ambient noch fehlte waren kleine Straßencafés. Dafür bin ich über einen kleinen Trödelmarkt gestolpert und habe mir doch direkt auch wieder zwei Bücher gekauft. Mal sehen, wie ich das ganze Zeug im Dezember nach Hause fliegen werde. Aber so weit sind wir ja noch nicht.

Gegen fünf machte ich mich dann aber schon wieder auf den Rückweg, da für heute abend großes auf dem Programm steht. Zuerst treffen wir (fünf Deutsche) uns bei Susanne um von dort aus gemeinsam zu Jack Ivory's Piano Bar zu fahren. Dort sind wir vor zwei Wochen schon mal vorbeigegangen und haben von der Straße aus die Stimmung mitbekommen.
Die Helden des Abends: Und es ist schon lustig, bevor es los geht...
Und es stellt sich heraus: Ja, die Stimmung ist wirklich ausgezeichnet! Und das ganze ist gar nicht mal teuer, denn mit nur 4$ Eintritt und Heineken für 3$ ist das billiger als z.B. das Hüx in Lübeck (oder?).
Das Konzept der Bar ist relativ einfach. Die Spieler an den beiden Pianos nehmen Musikwünsche entgegen (gegen ein kleines Trinkgeld). Wem ein Song nicht gefällt, der kann einfach mehr bezahlen und schon kommt der nächste Song. Allerdings wird darauf geachtet, dass nicht dauernd gewechselt wird. Und alles wird zumindst so lange gespielt, dass die, denen es gefällt, ihren Spaß haben können. Ab und zu werden die Pianos noch mit Gitarre oder Schlagzeug ergänzt. Super!!!
Ein paar von uns verabschieden sich dann aber relativ schnell. Der Tag war vielleicht doch etwas lange. Und später verabschiedet sich auch noch der Rest, so dass Susanne und ich alleine dort bleiben. Und wir haben auch noch Spaß, bis auch uns die Energie ausgeht!
Eigentlich wollten wir von der Bar aus ein Taxi nehmen (ich hatte schon vorher ausgemacht, dass ich dort in der WG auf der Couch schlafe, da um die Zeit keine Bahn mehr fährt und ein Taxi nach Newton raus mir dann doch zu teuer wäre), allerdings scheinen die alle belegt zu sein. Und so laufen wir nach einigen vergeblichen Versuchen ein Taxi anzuhalten zurück. Dauert auch "nur" eine halbe Stunde. Wow bin ich fertig. Aber hey - das war's wert!




Alle Bilder des Abends findet ihr übrigens im entsprechendem Album meines jüngst eingerichteten Online-Fotoalbums (siehe auch rechts unter "Links"). Da werde ich auch demnächst ausgewählte Bilder der letzten Monate einstellen.

Freitag, September 29, 2006

29. Sept: mein letzter Tag

Nun ist es so weit: Mein letzter Tag! Die Zeit ging wirklich schnell vorbei, auch wenn mir das im Anfang nicht so aufgefallen ist. Es ist doch irgendwie immer das selbe: wenn man gerade so richtig im Projekt drin ist, dann ist irgendwie Schluss.
Na ja. Heute entwickel ich nur noch ein bißchen die Blots fertig (mal wieder nichts) und bringe ein paar Kleinigkeiten zu Ende. Außerdem muss ich mein Laborjournal auch noch zu Ende schreiben. Und das dauert dann doch noch was länger.
Um 17:00 ist dann meine letzte Happy-Hour hier im Lab. Dieses Mal ist die aber gar nicht so "happy". Das Labor, das dieses mal dran war mit einkaufen hat überhaupt nichts zu essen gekauft! Was für eine Sauerei. Zum Glück ist ja im Erdgeschoss noch die Happy Hour eines anderen Departments. Und als wir da ankommen ist noch was kalte Pizza da. Immerhin besser als nichts.
Und so nach und nach verabschiede ich mich dann von allen. Ich bin an dem Abend noch relativ lange im Labor, da ich eigentlich noch mein Laborjournal kopieren wollte. Dummerweise ist aber der Kopierer nicht so ganz das wahre (völlig unleserlich) und so scanne ich dann jede Seite einzeln ein. Und das dauert natürlich etwas.
Abend treffe ich mich noch mit Susanne auf ein Glas Wein in ihrer Wohnung und wir sehen uns eine DVD aus der Sammlung ihrer Mitbewohnerin an. Und das war dann mein letzter Tag...
(OK, ich fahre erst am Mittwoch nach Montréal, aber es war der letzte Arbeitstag. Für meine Weiterfahrt nach Montréal hat sich übrigens eine wunderbar einfache Möglichkeit ergeben. Denn Alex - ein Postdoc im Lab - fährt am Mittwoch nach Montréal und nimmt mich dann einfach im Auto mit. Wenn das nicht mal Glück ist!)

Donnerstag, September 28, 2006

28. Sept: Amelié

Für heute steht das letzte Experiment auf meinem Programm. Im Grunde das selbe, diesmal mit ein paar anderen Stämmen. Und natürlich an einem Tag, da ich ja morgen bereits Ergebnisse haben möchte. Der Tag ist also mit Arbeit vollgepackt. Erst am Nachmittag wird es dann etwas ruhiger, wenn das Gel läuft und der Blot blottet etc. Alles in allem werde ich wohl bis um neun da bleiben müssen. Und das, obwohl Pedro heute abend noch mal ins Labor kommt und mir noch was abnimmt...
Da nutze ich die Zeit doch mal, und mache ein paar Fotos von meinem Arbeitsplatz. Der Platz, an dem ich in den letzten zwei Monaten sehr viel Zeit verbracht habe.


Die Wartezeiten am Abend werden dann übrigens dadurch verkürzt, dass ich gesehen habe, dass heute Abend in einem Hörsaal "Die fabelhafte Welt der Amélie" gezeigt wird. Das lasse ich mir natürlich nicht entgehen! Und zu meiner Überraschung zeigen die sogar das Original (in französisch) mit englischen Untertiteln. Und dazu dann Freibier und Popcorn. So müssten alle Wartezeiten abgekürzt werden...

Mittwoch, September 27, 2006

27. Sept: Go Red Sox (Ähh, wenn ihr könnt)

Mittwoch morgen, ein ganz normaler Tag, wenn man mal davon absieht, dass ich mit einem geliehenem Fahrrad lsofahre und nicht mit meinem... Im Labor erwartet mich nichts außergewöhnliches: Blots entwickeln, Zellen ansetzen, PCR etc.
Da dies aber meine letzte Woche ist, gehe ich zwischendurch in Gedanken mal durch, was ich in Boston machen wollte und noch nicht getan habe. Und dabei geht mir durch den Kopf: "Mensch", denke ich so bei mir, "Du wolltest doch auch noch einmal zum Spiel der Red Sox!" (Für alle, die es nicht wissen: Die "Red Sox" ist/sind das Bostoner Profi-Baseball-Team) Und wie gesagt: meine letzte Woche, morgen langes Experiment, Wochenende schon verplant, also heute oder gar nicht.
Und zum Glück gibt es ja das Internet (an dieser Stelle bitte von jedem Leser ein bewunderndes/glückliches: "Ahhhhh!") mit seinen unzähligen Verkaufsplattformen. Und eine davon bietet Karten von Sportveranstaltungen an, die die ursprünglichen Käufer wieder loswerden wollen. So finde ich also noch eine Karte für das heutige Spiel der Sox gegen Tampa Bay (keine Ahnung wer das ist, oder wo die herkommen, aber da ich auch nicht, bzw. kaum die Regeln des Spiels kenne, ist das nur eine Kleinigkeit) mit Sitzplatz in den "Bleachers". Meine Güte, Bleachers...Super!
Äh, oder auch nicht; denn das sind so mit die schlechtesten Plätze (siehe links), aber gerade deswegen noch bezahlbar. Aber immerhin sind es keine Stehplaetze!
Die Karte kostet also 21$. Aber als es dann ans bezahlen geht, stellt sich heraus, dass die Verkaufsplattform ordentlich dabei zur Kasse bietet. Mit Gebühren und allem zahle ich dann 35$. Na gut. Immerhin habe ich Karten. Und abholen kann ich die kurz vorm Spiel in Stadiumnähe.
Und alleine die Fahrt zum Stadium ist schon ein Abenteuer. Denn ich muss einmal umsteigen: Ein (fast) fataler Fehler. Denn die Bahnen, die Richtung Stadium sind übervoll. Ich muss vier Bahnen vorbei fahren lassen, weil nicht einmal mehr mit reinquetschen ein Platz zu bekommen werde. Die Türen der Bahnen gehen fast schon nicht mehr zu. Doch irgendwann ist dann doch eine kleine Lücke für mich frei. Allerdings habe ich mittlerweile den "First Pitch" - so etwas wie den Anstoß - verpasst. Aber da bin ich nicht alleine, denn auch während ich schon längst im Stadium - das berühmte Fenway Park Stadium - bin strömen immer noch Leute rein. Anscheinend ist es nicht gewöhnlich, dass man pünktlich zu Spielbeginn da ist. Doch das ist nicht die einzige Überraschung für mich. Denn andauernd läuft mir irgendjemand durch die Sicht, weil er neues Bier/Hotdog/Erdnüsse/Eiscreme/Waffel o.ä. holen muss oder aber vor allem erstes wegbringen muss. Und das ist im gesamten Stadium so: Wahre Völkerwanderungen. Können diese Amis denn nicht mal fünf Minuten auf ihren Hintern sitzen bleiben? Interessiert die das Spiel gar nicht?
Na ja. Ab dem dritten Inning (ein Spiel hat neun davon) wird es dann etwas ruhiger. Das Stadium ist übrigens fast ausverkauft. Doch das soll nichts heißen, denn was es in Amerika heißt (oder auch nicht) Fan einer Mannschaft zu sein, werde ich noch sehen.
irgendwann so im 3. oder 4. Inning: voll!

Baseball ist übrigens so mit das langweiligste, was ich mir für ein Spiel im Stadium vorstellen kann. Denn die meiste Zeit über passiert nicht viel. So geht ein Inning (fast) ereignislos ins nächste über. Und wenn die mal einen Ball treffen, dann wird's kurz ziemlich hektisch und danach ist wieder Ruhe. Deswegen kann man bei dem Spiel auch - für Profisportler - relativ viele alte und dickere Spieler sehen.
Spanender wird es dann aber im siebten Inning. Tampa Bay hat irgendwie gerade eine Glückssträhne und macht einen Punkt nach dem anderen. Die Red Sox werden also so richtig abgezogen. Aber dafür passiert mal was. Denn ist kommt zum ersten mal vor, dass nicht nur die erste Base besetzt ist, und die Spieler auch mal ins Spiel kommen. Denn Fans gefällt das allerdings nicht so, denn ihre Mannschaft ist ja die, die fertig gemacht wird. Und deswegen verlassen bereits während des Innings viele Zuschauer das Stadium.
Mitte des 7. Innings: schon leerer!

Na gut, denke ich mir, dass sind vielleicht nur die Warmduscher-Fans. Aber nein - der Exodus geht weiter. Gegen Ende des siebten Innings ist das Stadium nur noch spärlich besetzt. Und auch mit Anfeuern ist nicht viel. Mal gellt ein "Go Red Sox" über die Tribüne, aber auch das eher selten. Und nur ein paar wenige Fans einige Blöcke entfernt versuchen verzweifelt ihr Team anzufeuern...
Dennoch: das Stadium wird immer leerer. Zwar schaffen es die Red Sox dann irgendwann das siebte zu einem Ende zu bringen, aber in den letzten beiden Innings können die nichts mehr rausholen. Höchstens noch Schadensbegrenzung betreiben. Hinter mir höre ich einen der treu gebliebenen Fans so was sagen wie "das war wohl das miesesten Spiel, dass ich je gesehen habe..." Yo, kann ich mich nur anschließen!
Aber zumindest war ich nun zum ersten Mal in einem Stadium, ich habe einmal ein Baseballspiel gesehen und kann nun ruhig nach Hause fahren und ins Bett gehen!
Anfang 8. Inning: Wo sind die alle hin?

Dienstag, September 26, 2006

26. Sept: Sicher???

Strahlender Sonnenschein, gut geschlafen - der perfekte Start in den Tag. Also auf und los. An der ersten Ecke muss ich dann allerdings feststellen, dass mein Hinterrad schon wieder platt ist. Eine genauere Untersuchung ergibt, dass das Ventil wohl nach dem Auffüllen nicht ganz geschlossen wurde - nicht überraschend bei französischen Ventilen und ungeübten Benutzern - und so über Nacht genug Luft entweichen konnte, dass das Rad schon wieder platt ist. Also schließe ich das Fahrrad unten an der Straße neben der Bushaltestelle an und warte auf den Bus. Denn der Schlauch müsste ja eigentlich noch in Ordnung sein, so dass ich ihn nicht dadurch ruinieren möchte, dass ich wieder auf der Felge fahre.
Also ware ich auf den Bus, und zwar eine geschlagene halbe Stunde (public transport ähnelt in den Staaten eher public waste of time)! Zum Glück scheint die Sonne und ich muss nicht im Regen warten. Im Labor angekommen läuft dann alles seinen gewohnten Gang. Pedro hat wieder ein paar Änderungsvorschläge (Sachen, die man vielleicht auch schon früher hätte machen können...?). Mal sehen, was ich davon noch werde machen können. Ist ja nicht mehr all zu lange.
Da das heute Fran und Mike's letzter Tag sein wird (morgen gehen sie um 6.10 aus dem Haus und ab zum Flughafen) versuche ich mal etwas früher zurück zu sein. Außerdem bekomme ich so noch den Bus und muss nicht laufen, zumindest nicht den ganzen Weg. Ich muss lediglich zum Bus sprinten, da der schon losfährt, obwohl laut Fahrplan erst in fünf Minuten Abfahrt wäre.
Als ich dann aus dem Bus steige, denke ich zuerst, ich wäre an der falschen Haltestelle. Denn dort, wo mein Rad stehen sollte befindet sich nur eine Mauer. Doch wie ich feststellen muss, ist dies wirklich die Stelle, wo ich heute morgen mein Fahrrad inkl. Helm angeschlossen hatte. Und nun ist es nicht mehr da. Was für ein Schei...!!! Angeblich soll die Gegend hier doch sooo sicher sein. (OK. Schüsse oder so habe ich noch nicht gehört, aber sicher ist was anderes.) Doch das gilt anscheinend nicht für ältere, platte Fahrräder. Ich klopfe zwar noch an einigen Türen um zu fragen, ob vielleicht jemand das Rad irgendwo reingestellt hat (vielleicht weil er dachte, dass ich diese Schrottgurke entsorgen möchte), muss dann aber wohl alleine zurück laufen. Das gibt's doch nicht!!! Und das in der letzten Woche.
Das einzige Glück im Unglück ist, dass mir die Nachbarn bis Sonntag eines ihrer Räder leihen, so dass ich nicht jeden Tag auf den Bus angewiesen bin. Denn das würde mir diese Woche wirklich vermiesen...
nicht immer das beste oder treuste, aber trotzdem meins - gewesen...

Montag, September 25, 2006

25. Sept: Die Rückkehr

Nachdem mich Fran heute morgen um kurz nach neun bei Fahrradladen abgesetzt habe und ich dort mein Rad mit Luft versorgen konnte, bin ich von dort wie jeden Tag ins Labor gefahren.
Dort hatte ich eigentlich erwartet, dass Pedro bereits wieder im Labor ist. Denn wenn ich mich recht entsinne, wollte er heute zurück kommen. Allerdings war er noch nicht da, was mir auch ganz recht ist. Denn während der ganzen letzten Woche war ich nicht dazu gekommen mein Laborbuch zu führen. Und die Ergebnisse von letzter Woche wollte ich ja auch noch durchsehen.
Und so verbringe ich fast den ganzen Tag damit meine Notizen zu ordnen und dann sinnvoll und geordnet ins Laborjournal zu übertragen. Außerdem habe ich Gelegenheit meine neuen Kenntnisse aus dem "Annotation"-Kurs anzuwenden und den Blot gut aufzuarbeiten. Was allerdings nicht darüber hinwegtäuscht, dass es auch dieses Mal nicht geklappt hat. Irgendwo machen wir a) etwas grundsätzlich falsch oder b) sehen irgendeinen Denkfehler nicht. Aber zumindest sind die Resultate reproduzierbar. Das bedeutet, dass ich zumindest nicht irgendwelchen Unsinn zusammen pipettiere.
Und abends kommt Pedro dann doch noch. Er sieht fast etwas erschöpft aus. Und das liegt - wie er meint - daran, dass er, seine Frau und ihr drei Monate altes Baby zu Hause in Portugal ständig irgendwo zum Frühstück, Mittagessen, Kaffetrinken oder Abendessen eingeladen waren. Und zwar vor allem, weil in Freundeskreis und Familie jeder das jüngste Familienmitglied sehen wollte... Damit ist Pedro der beste Beweiß, dass man nach dem Urlaub erstmal ein paar Tage frei bekommen müsste. Und um den armen Kerl nicht noch mehr zu fordern, beschließen wir erst morgen meine Ergebnisse der letzten Woche durchzugehen.

Eins meiner Gele von Dienstag. Wie man sieht: Sehr viele Banden, allerdings nicht an den richtigen Stellen und auch nicht mit dem richtigen Antikörper. Gut, wer da noch den Überblick behält...

Sonntag, September 24, 2006

24. Sept: Ruhe im Karton

Uff. Nach dem Tag gestern war heute absolute Entspannung angesagt! Und so habe ich sehr lange geschlafen, gelesen und bin vor eins nicht aus meinem Zimmer gekommen. Fran frug schon, ob ich jemanden mitgebracht hätte - das wäre OK - aber interssieren würde sie es schon. Ach ja, wirklich? ;-)
Nach dem Frühstück (so gegen halb zwei (-; ) habe ich dann ein paar Dinge erledigt, die schon länger anstanden. So habe ich z.B. endlich meinen Semesterbericht für die SDW beendet. Außerdem musste das Fahrrad repariert werden. Ich kann ja schließlich nicht bis zum Ende der Woche auf der Felge durch die Gegend fahren. Gestern hatte ich schon einen neuen Schlauch gekauft, den ich dann heute nur noch einbauen musste. Dummerweise gibt es in diesem Haushalt aber keine Fahrradpumpe. Aber Mike ist so nett und fährt mit mir (und dem Rad im Kofferraum) zur nächsten Tankstelle. Und dort muss ich dann entgeistert feststellen, dass man mir zwar einen passenden Schlauch verkauft hatte, allerdings mit dem falschen Ventil, nämlich einem französischen anstelle eines Autoventils. Und ein solches Ventil kann man an der Tankstelle nicht aufpumpen. Und da an einem Sonntag um acht Uhr abends selbst hier keine Fahrradläden mehr aufhaben, haben wir das Fahrrad vor dem nächsten Fahrradladen abgeschlossen. Ich werde dann morgen bei Ladenöffnung hier sein und nach etwas Luft fragen...
Zurück zu Hause wartet Fran schon mit dem Essen auf uns. Es soll unser letztes gemeinsames Essen sein, denn Fran und Mike fliegen am Mittwoch in aller Frühe nach Californien in Urlaub. Ich werde also die restliche Zeit hier alleine im Haus sein. Aber das kriege ich schon hin ;-)
Hund und Herrchen- ein Herz und eine Seele!?!

Samstag, September 23, 2006

23. Sept: Besuch & Partytime

Samstag. Und dennoch zeitig aufstehen. Denn heute bekomme ich Besuch von Maria, die gerade in New Haven (Yale University) ein Praktikum macht. Auf dem Programm steht also heute nicht weniger als "Boston an einem Tag". Also raus aus den Federn. Doch was muss ich sehen: Es regnet in Strömen. Und dabei hatten wir doch gestern noch strahlenden Sonnenschein. Genau das richtige Wetter für den Schnupfen, der sich seit gestern bei mir eingenistet hat. Und zu allem Überfluss hat mein Fahrrad nach wie vor einen platten Reifen. Also muss ich heute im Regen auf der Felge zur T-Line fahren, da ich andernfalls nicht rechtzeitig am Bahnhof wäre um Maria zu begrüßen. Zum Glück hört es irgendwann auch auf zu regnen.
Maria und ich gehen zuerst etwas durch BackBay und besichtigen dann das "Maparium", einen riesigen, begehbaren Globus aus Glas.
Bild gefunden unter: http://www.marybakereddylibrary.org/exhibits/mapparium.jhtml
(Fotographieren war verboten)
Der Globus ist wirklich beeindruckend, lediglich die Show dazu ist typisch amerikanisch: Voller pathetischer Worte über Freiheit und Innovationen, aber ohne wirkliche Aussage. Und die restliche Ausstellung ist auch nicht unbedingt ein "Muss".
Nach einem Mittagessen beim Chinesen (das war so fettig, dass man die Jahresproduktion einer Papierfabrik damit durchsichtig machen könnte...) bummeln wir die Newburry Street entlang - laut Lonely Planet die Fifth Avenue Bostons - Richtung Public Garden und Boston Common und gönnen uns hier einen Kaffee.
Aber allzu lange ruhen wir nicht aus, denn wir wollen weiter in Richtung Boston Downtown (Qunicy Market) und zur Waterfront. Man mag es nicht glauben, aber trotz des lausigen Wetters und der Tatsache, dass das hier Hafengebiet ist, schwimmt hier jemand...
Von dort aus weiter geht's wieder in Richtung Stadt. Wir durchstreifen Beacon Hill - eine wirklich wunderschöne Wohngegend, direkt im Zentrum und trotzdem sehr ruhig und idyllisch - und kommen an der Hatch Memorial Shell aus, wo heute das Bostoner Blues Festival stattfindet. Also lauschen wir dem Blues und lassen die Seele baumeln...
Und natürlich gehe ich mit Maria noch zur Longfellow Bridge von der aus man so eine wunderschöne Aussicht auf Boston hat.
Und da der Abend noch nicht allzu weit fortgeschritten ist, fahren wir auch noch zum Harvard Campus (geht ja nicht ohne...) um anschließend in Cambridge Abend zu essen. Das haben wir in einem typisch amerikanischen Burger-Restaurant: Es ist brechend voll, wahnsinnig laut, einer der Köche schreit die ganze Zeit die fertigen Bestellungen durch den Raum und die Bedienung stellt uns die Rechnung schon während des Essens auf den Tisch. Die Deko dort allerdings ist wirklich gut: Eine bunte Mischung aus Alt und Neu; Plakate, auf denen noch für Elvis-Konzerte geworben wird (mit einem Kartenpreis von 2,50$) hängen neben Karrikaturen von Clinton und Cartoons zur aktuellen politischen Lage. Dennoch: als wir mit dem Essen fertig sind, sind froh dort wieder raus zu sein.
Wir fahren zurück zur Longfellow Bridge, um auch noch einen Blick auf das nächtliche Boston zu haben.
Nach einem weiteren Spaziergang durch Beacon Hill bringe ich Maria gegen halb zehn zum Bahnhof.
Doch für mich ist der Tag damit noch nicht vorbei. Denn Marielle hatte mir eine Einladung zu Kris' "Houseworming-Party" geschickt. Und da das wahrscheinlich die letzte Gelegenheit sein wird, mache ich mich auch noch nach diesem bereits langen Tag auf. Zuerst hole ich allerdings noch Susanne ab.
Die Party ist dann auch wirklich recht lustig. Die meiste Zeit spielen wir Karten, mit so netten Zusatzregeln wie: Bei einer 7 muss man Kris ein Küsschen geben...
Kurz nach Mitternacht ist die Party dann aber vorbei (man möchte die neuen Nachbarn ja nicht sofort verprellen). Während die meisten Gäste irgendwo in der Stadt weiterfeiern, fahre ich nach Hause, bzw. ich versuche es. Doch an der T-Line Haltestelle muss ich leider feststellen, dass ich den letzten Zug verpasst habe. Na toll. Also gibt es an dem Abend noch das Vergnügen einer Taxifahrt zu meinem platten Fahrrad, das ja noch an der Haltestelle steht, an der ich am Morgen gestartet bin. Kostet auch "nur" 11$.
Und gegen halb zwei falle ich dann erleichtert in mein Bett!

meine Mädels des Abends: Marielle (links) und Kris

Freitag, September 22, 2006

22. Sept: Wochenende

OK, um es gleich vorneweg zu sagen: Ich bin mir nach wie vor nicht sicher, ob ich nun gute, schlechte oder gar keine Ergebnisse von meinem Dienstag-Experimnent habe. Denn ich habe heute feststellen müssen, dass eine Antikörperlösung nicht funktionierte. Dieses mal hatte ich nämlich eine Positivkontrolle mitgeführt, die mir ein richtig starkes Signal hätte geben müssen - was sie aber nicht tat. Und als ich den einen Antikörper dann neu angesetzt hatte und das ganze nochmal inkubiert hatte, war der sekundäre Antikörper leer. Also musste ich einen anderen nehmen. Bisher hatte ich immer eine Art "Doppelfärbung" gemacht hatte (Protein A bei einer Wellenlänge auslesen, Protein B bei einer anderen), so dass ich gute Aussagen hätte treffen können. Mit dem Ersatz-Antikörper kann ich aber nur beide Proteine bei einer Wellenlänge auslesen. Das heißt, dass die Interpretation schwieriger ist. Das werde ich dann hoffentlich am Wochenende mal machen können.

Neben diesen Unannehmlichkeiten war der Tag aber sonst ganz angenehm. Um vier Uhr war "Department Cook-out". Was dieser Name nun genau heißen soll, weiß ich nicht. Allerdings bedeutete es, dass es Barbecue für alle gab. Die hatte extra irgendein Catering-Unternehmen engagiert, die wirklich groß aufgefahren haben. Damit hatte ich also auch schon Abendessen.

Eigentlich hatte ich mich Susanne ausgemacht, dass wir uns nochmal im Pub hier die Ecke rum treffen würden, allerdings meinte sie dann, dass sie und Julia sich überlegt hätten, dass wir ja auch gemeinsam kochen könnten. Also sind wir zu dritt vom Labor aus (die beiden arbeiten auch in einem der Gebäude hier in Longwood) in Richtung Julias Wohnung. Kurz vorher noch einkaufen (ein großes Packet Blaubeereis und Sherry!). Als wir dann in der Wohnung ankommen hat Melanie bereits gekocht. Sehr lecker, auch wenn ich schon gegessen hatte...
Es wird ein sehr netter Abend an dem ich feststelle, wie preiswert ich wohne. Denn während ich nur 550$ inkl. Frühstück (und meist auch Abendessen) zahle, zahlen die anderen um die 700$ und haben nichts dabei.
Da habe ich wirklich Glück gehabt.

Irgendwann mache ich mich dann auf dem Weg nach Hause. Ich nehme wahrscheinlich die letzte Bahn, muss dann aber an der Haltestelle feststellen, dass mein hinterer Fahrradreifen total platt ist. Und mein Versuch ihn an der Tankstelle wieder mit Luft zu fühlen scheitert auch. Denn was am Ventil reingeht, kommt an einer anderen Stelle direkt wieder raus. Na toll. Morgen also schon wieder einen Schlauch kaufen und heute auf der Felge nach Hause fahren. (Würde ich zu Hause nie machen, aber das Fahrrad hier muss es ja nicht mehr lange machen...)

Donnerstag, September 21, 2006

21. Sept: Banden...

Heute sollte es so weit sein: Ergebnisse oder nicht? Sein oder nicht sein?
Und ja: Diesmal habe ich mehr als nur ein leeres Gel, allerdings sind die Banden nicht an den Stellen, wo ich sie gerne hätte. Allerdings zeigen sich Unterschiede zwischen Kontrollansätzen und den eigentlichen Versuchen. Was das nun zu bedeuten hat, werde ich mir noch überlegen müssen. So werde ich also mal sehen, ob ich morgen eine ruhige Stunde oder so habe, um mal alle Gele/Blots in Ruhe durchzugehen. Und ja, vielleicht, wer weiß...

Ansonsten bemerkenswert war heute noch, dass die Festlichkeiten zu "100 Jahren Forschung im Longwood-Campus" (dem Campus, wo der Hauptteil der Harvard Medical School untergebracht ist) begonnen haben. Schon seit Tagen war klar, dass mehr als nur eine kleine Feier wird. Mitten auf der Wiese (die man erst vor ein paar Wochen abgetragen und komplett erneuert hatte) wurden zwei riesige Zelte aufgebaut, eins sogar mit Parkettboden und Klimaanlage! Und dann gab es heute Häppchen-Buffet etc. und die übliche Menge an Reden... Allerdings wurde der Fehler gemacht, dass der Redner relativ weit vom Buffet entfernt stand, so dass all diejenigen, die nur des Essens wegen gekommen waren davon dann auch nicht viel mitbekommen haben.
Auf jeden Fall wurde hier eine Menge Geld für die Feier verpulvert. Aber ich zahle hier ja keine Studiengebühren...

Apropos: Heute ist bei mir auch eine Mail eingegangen, die mich auf einen Artikel bei HL-live aufmerksamn machte: Die Landesregierung in Schleswig-Holstein hat nun einen Regierungsentwurf zur Novelle des Hochschulgesetzes verabschiedet. Und wie man in dem Artikel lesen kann, ist Minister Austermann wortbrüchig geworden. Anstatt sich an den ausgehandelten Kompromiss zu halten - der zwar allen etwas (und zwar nicht wenig) abverlangerte, aber noch akzeptabel war - wurde ohne Rücksprache einfach mal die Besetzung im Universitätsrat verändert. Laut HL-Live soll die Uni Kiel auf einem doppelt so viel Sitze wie vorher vereinbart erhalten. Also eine Fusion durch die Hintertür! (Kiel hätte damit eine ausgesprochen dominante Position)

Ich frage Euch: Wie will die Politik das Vertrauen der Wähler zurück gewinnen, dass sie anscheinend verloren hat- wie man an den Wahlbeteiligung überall in Deutschland und z.B. an den Ergebnissen bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern vom Sonntag erkennen kann - , wenn nicht nur Wahlversprechen nicht gehalten werden (daran hat man sich ja fast gewöhnt) sondern nun auch das Wort (wahrscheinlich gibt es sogar schriftliche Dokumente dazu) eines amtierenden Ministers nicht mehr Wert hat als ein Haufen Vogeldreck! Ich meine, dieser aufgeblasene Möchtegern-Bildungspolitiker sprach immer von einem "offenen und ehrlichen Dialog", kann aber anscheinend die Worte "Wahrheit" und "Ehrlichkeit" nicht mal mit Hilfe eines Wörterbuches richtig schreiben. Wofür die wochen- und monatelangen Verhandlungen, Treffen, Diskussionen etc., wenn sie nur zum Fenster rausgeschmissen werden? Dann hätte man die Zeit auch sinnvoller nutzen können. Der Minister hätte sich z.B. mal eine ruhige Stunde gönnen und mal nachdenken sollen, bevor er die ganze Hochschullandschaft versucht umzukrempeln.

Egal was für Gründe nun vielleicht für diese kleinen, harmlosen Änderungen angeführt werden, für diese Art und Weise fehlt mir jedwendes Verständnis! Als Minister - und erst recht als Mensch - ist diese Person anscheinend nichts wert!

Mittwoch, September 20, 2006

20. Sept: Und wieder was gelernt

Frisch und auf ans Werk.
So ging ich heute morgen ins Labor, denn schließlich muss ja eines der Experimente von gestern geklappt haben. Und so beschäftigte ich mich den Vormittag damit, die Proben zu waschen und aufs Gel zu bringen. Und morgen endlich werde ich es wissen...
Da das Gel aber von alleine läuft und das Blotten auch ohne mein Zutun vonstatten geht, hatte ich etwas Zeit heute.
Allerdings war das ja absehbar und so hatte ich die schon verplant. Von zwölf bis eins lauschte ich einem Vortrag über Telomerlänge, Telomerasen und Zellaltern (vom Prinzip her das, was wir aus der Hubmacher-Vorlesung aus dem 5. Semester schon her kannten) und von zwei bis drei besuchte ich einen Kurs mit dem Titel "Getting the most out of pubmed". Das war im Grunde eine super Sache (nur halt viel zu kurz). Es ging darum, welche Möglichkeiten und Tools pubmed einem bietet. Hattet ihr zum Beispiel schon mal was von "MeSH-Term" basierter Suche gehört oder schon mal die Tagging-Optionen genutzt. Wirklich nett. So habe ich dann auch am Nachmittag direkt mal einige Zeit mich durch Pubmed "gesucht". Der Suchstring "luebeck[ad] OR lubeck[ad]" müsste einem z.B. alle in pubmed gespeicherten Einträge geben, bei denen der Erstautor einer Institution in Lübeck (ich nehme mal an, der Universität zu Lübeck) zugeschrieben wird. Diese Suche ergibt 5392 Einträge (der älteste von 1985) (Wenn man die Suche auf die letzten beiden Jahre beschränkt kommt man auf 758 Einträge). Aber was da teilweise für Journals bei sind...
Wie gesagt: Da habe ich mal was echt sinnvolles gelernt...
(Ich frage mich halt nur, warum ich um die halbe Welt fliegen muss, um so etwas elemetares wie die Grundlagen der Suche mit Pubmed zu lernen. Warum gibt es so einen Kurs nicht auch bei uns? Solche Kurse werden hier ständig von der Bibliothek angeboten. OK, HIER hängen auch Schilder, die etwa sagen: "Probleme bei der Suche? Frag einen Bibliothekar" Wenn ich da an Schilderungen des freundlichen Personals bei uns denke...)

Dienstag, September 19, 2006

19. Sept: 24 auf einen Streich

Was für ein Tag... Im Grunde war ich wie sonst auch den ganzen Tag nur im Labor, aber so viel geschafft wie heute habe ich dort bisher noch nicht. Und wenn ich mit den Experimenten von heute keine Ergebnisse bekomme, dann wird das wahrscheinlich auch nichts mehr werden... Denn anstatt wie sonst drei bis sechs Ansätze auf einmal, habe ich heute 24 gemacht. Und damit habe ich ziemlich viele Kombinationen ausprobiert. Und eigentlich müsste es klappen - eigentlich...
Aber die Ergebnisse bekomme ich dann erst übermorgen.

Ansonsten? Wahrscheinlich habe ich endlich eine Zimmer in Montréal gefunden. Nachdem ich gestern und am Wochenende jeweils auf gut ein Dutzend Anzeigen am Tag geantwortet habe, bekam ich heute eine Mail zurück, dass ich ein Zimmer haben könnte. Da derjenige aber nicht sehr viel über sich oder das Zimmer geschrieben hat, habe ich erst einmal noch ein paar Dinge nachgefragt. Bin gespannt, wann er antwortet. Außerdem soll ich ihm als "Reservierung" des Zimmers die erste Monatsmiete schon mal überweisen. Ist das normal hier? Na ja, verstehen könnte ich es...

Montag, September 18, 2006

18. Sept: Photo Composites

Das ist der Titel des Workshops, den ich heute besucht habe. Dabei ging es darum, wie man einfach und möglichst schnell/geschick Bilder bearbeitet und kommentiert, um Abbildungen für Publikationen - die ja hoffentlich zahlreich sein werden - zu erstellen. War auch sehr interessant und lehrreich. Der große Nachteil: Wir haben vor allem mit Adobe Photoshop gearbeitet, da das quasi alle Labore hier benutzen (ist ja auch ein tolles und vor allem mächtiges Programm). Dummerweise habe ich das nicht; ist ja auch nicht ganz billig...
Da der Kurs aber den ganzen Vormittag (von neun bis eins) ging, wollte ich heute schon um acht im Labor sein, um für den Nachmittag was vorzubereiten. Und so quälte ich mich früh aus dem Bett uns ins Labor, bzw. in den Flur vorm Labor. Denn die Türen waren alle abgeschlossen. Lediglich der Computerraum bildete eine Ausnahme. (Den Sinn dahinter muss ich ja nicht verstehen.) So war ich zwar früh genug da, aber ich musste warten, bis Andy gegen zwanzig nach acht kam und mir dann auch aufschloss. Hat zum Glück dann auch noch gereicht.
Und nach dem Kurs ging dann alles seinen normalen Lauf. Wobei ich heute nicht so lange im Labor geblieben bin...
So wurde ich dann noch von Fran zum Abendessen eingeladen. Ich muss ja ehrlich zugeben, dass ich darauf spekuliert habe ;-)
Aber war auch ganz nett. Und anschließend habe ich den beiden dann gezeigt, wie sie ihre Digitalkamera nutzen können, bzw. wie die Bilder von der Kamera auf den Computer kommen. Das wollte Fran ohnehin noch von mir wissen...

Sonntag, September 17, 2006

17. Sept: Sonntag, Sonnenschein...

... und wo bin ich als angehender Wisschenschaftler? - Natürlich im Labor!
Da aber Sonntag ist, habe ich zunächst erst mal seeeeehr lange geschlafen, gut gefrühstückt und mich erst dann aufgemacht. Der Plan war eigentlich ein paar Sachen vorzubereiten, in die Stadt zu fahren und später wieder zu kommen. Aber wie das dann so ist: Irgendein Medium ist alle, was anderes dauert länger als geplant etc.
Also bleibe ich im Labor. Das Festival, zu dem ich eigentlich fahren wollte, ist so wie so erst nächstes Wochenende (sagt zumindest die Homepage). Und so habe ich auch Zeit auf Annoncen bezüglich einer Wohnung in Montréal zu beantworten. Bisher aber leider ohne Erfolg. Dort scheint keiner auf Kurzzeitgäste eingestellt zu sein.
Zumindest habe ich nun rausgefunden, wie ich mit meinem Rechner auch im Labor ins Internet komme.
Und weil heute ja Sonntag ist, gönne ich mir nachmittags noch einen dieser wahnsinnig leckeren White chocolate mocha und ein Stück apple-coffee-cake. Und dabei genieße ich die (hoffentlich nicht letzten) Sommersonnenstrahlen.
Übrigens ist hier im Labor für Sonntags ganz schön was los. Während ich da war, waren zwischenzeitlich auch fünf andere da. Zum Glück: denn einige der Räume waren abgeschlossen, und ich habe ja keinen Schlüssel, sondern nur die Magnetkarte, mit der ich ins Gebäude komme.

Samstag, September 16, 2006

16. Sept: Deutsche unterwegs

Nachdem gestern ein ganz normaler Labortag ohne irgendwelche Besonderheiten war, steht heute wieder ein Ausflug auf dem Programm. Die Besonderheit: Ich ziehe nicht wie sonst meist alleine los, sondern mit ein paar anderen Deutschen: zum einen ist da Susanne, die Julia aus ihrem Labor mitbringt. Die wiederum bringt ihre beiden Mitbewohnerinen Steffi und Melanie - famulierende Mediziner aus Tübingen - mit.
Doch bevor ich zum Treffen am Bahnhof fahre, muss ich noch im Labor vorbei schauen. Da in der letzten Woche so fast gar nichts geklappt hat, versuche ich mit ein paar kleinen Versuchen am Wochenende vielleicht doch noch was aus dieser Woche raus zu holen... Aber das geht relativ schnell. Was ich allerdings dadurch nicht mitbekommen habe: Es ist draußen wieder richtig warm und sonnig geworden (nach Regen und bewölkt gestern). Wunderbare Vorraussetzung für unseren Ausflug zur Küste. Da es allerdings morgens, als ich aus dem Haus ging, noch relativ frisch war, habe ich weder kurze Hose, noch Schwimmsachen mit. Schade...

v.l.n.r: Steffi, Melanie, Julia, Susanne, ich

Am Bahnhof werden wir dann von einem weiteren Deutschen (einem Priester) angesprochen, der einfach nur gehört hatte, dass wir uns halt in Deutsch unterhalten. Und er lädt uns dann direkt für nächsten Sonntag zur Messe ins Priesterseminar ein. Wie ich schon vorher mal erwähnt hatte: Die Deutschen sind in Boston anscheinend ganz gut vertreten.

Unser Ausflug heute geht übrigens nach Rockport, auf Cape Ann. Cape Ann ist laut Reiseführer die kleine Schwester von Cape Code, wo ich ja immer noch nicht war... Das Dorf selber ist früher ein Hafen zum Verladen von Steinen (ROCKport) gewesen, wobei nach und nach immer mehr Maler dort hin zogen. Und die ihrerseits zogen dann die Touristen an...
Dort angekommen gehen wir erst einmal zum Hafen. Wirkt teilweise etwas verschlafen, auch wenn die Boote zum Teil auch neuer und durchaus modern sind.
Die Straße die am Wasser vorbei führt ist dann allerdings ganz auf Touristen ausgelegt. Hier reiht sich ein Laden an den nächsten. Boutiquen, Restaurants, Krims-Krams-Läden und natürlich jede Menge Gallerien.
Und die Gallerien haben auch wirklich was zu zeigen. Ich habe z.B. zwei sehr gute Ausstellungen von Landschaftsphotographien gesehen. OK, bei der Landschaft hier braucht man auch nicht lange nach einem Motiv zu suchen...
Ich habe selber heute bestimmt an die 200 Fotos gemacht. Gut, dass man die einfach löschen kann, wenn sie nichts geworden sind. (Die schönsten findet ihr weiter unten, wenn ich mit quasseln aufhöre...)
Der Hunger treibt uns dann dazu uns was zum Essen zu suchen. Während ich eine klassische Pizza bevorzuge, wollen Julia und Susanne unbedingt "Lobster" also Hummer probieren (Wird hier gefangen und verarbeitet). Ist dann eine schöne Pullerei, aber es scheint zu schmecken. Aber da die beiden sich hinterher auch noch für eine Pizza entscheiden, kann es ja nicht so sättigend gewesen sein...
Aber so bleibt uns auch mehr Zeit die Aussicht auf das Meer und die benachbarte Küste zu genießen und einfach ein wenig in der Sonne zu sitzen! Schön!Anschließend verlassen wir den touristischen Bereich etwas und spazieren die Küste entlang. Hier sind wirklich einige sehr schöne Häuser mit hervorragender Aussicht. So zu wohnen hat was. Und weil so schönes Wetter ist, gehen die Mädels auch noch schwimmen. Hätte ich doch mal Badesachen mitgenommen... Ich mache halt noch ein paar schöne Aufnahmen in der Zeit.
So langsam wird es spät. Wir essen noch ein Eis zum Anschluß, wobei mal wieder klar wird, dass die Amerikaner kein Verhältnis zu Mengen haben: Die "kleine" Portion, die wir jeder bestellen, ist etwa so viel, als wenn man bei uns vier bis sechs Kugel Eis bestellt. Aber es schmeckt.
Tja, und danach geht' s dann wieder zurück nach Boston.
Susanne und ich beschließen den Tag noch beim Abendessen ausklingen zu lassen. Die anderen sind noch auf Parties eingeladen, wobei sie eher danach aussehen, als ob sie ins Bett möchten ;-)
So fahren wir also zu zweit noch Richtung Fenway - was ja eh auf dem Weg nach Hause liegt. Dort finden wir dann auch noch eine "Rock'n Roll Piano sing-along Bar". Wir gehen zwar nicht rein, aber da man von der Straße aus reinsehen/hören kann, bekommen wir mit, dass die Stimmung und die Musik drinnen spitzenklasse sind. Es steht damit fest: Das ist das Ziel für's nächste Wochenende!












Donnerstag, September 14, 2006

14. Sept: Wieder ein Unterschied

Kurz nach zehn Uhr abends. Ich bin erst vor etwa einer Stunden nach Hause gekommen und das auch noch klitsch nass. Denn das Wetter hat irgendwann heute im Laufe des Tages beschlossen, dass kalt ja irgendwie blöd ist (OK) und das Regen vielleicht netter wäre (nicht OK).
Aber das macht mir gerade gar nicht so viel aus. Denn heute abend habe ich mal wieder einen der Unterschiede erlebt, der eben zeigt, warum Harvard als Spitzenklasse angesehen werden kann, während Lübeck doch nun mal eher Provinz ist...

Aber der Reihe nach:
Nachdem ich die letzten Tage immer recht früh im Labor war, habe ich heute mal wieder etwas ausgeschlafen. Und der Tag war dann auch recht angenehm. Nicht allzuviel zu tun, aber auch nicht zu wenig - na ja, eben ein normaler Tag. Alex - einer der Postdoc - erzaehlte mir irgendwann zwischendurch, dass abends um halb sechs ein Vortrag von Eric Lander waere. Eric Lander? Konnte ich nichts mit anfangen, aber Alex ueberzeugt mich dann, dass es sich wirklich lohnen wuerde.
Fuer alle, denen es aehnlich ging wie mir: Lander ist Leiter des "Broad Institute" hier in Boston, außerdem Professor am MIT und an der Harvard Medical School. Das Broad Institut ist eines der Insitute, die maßgeblich am "Humane genome project" beteiligt waren. Und unter anderem darum ging es auch in seinem Vortrag: Er fing ganz langsam an, wie Menschen die Welt vor ein paar Jahrhunderten sahen, was es dann fuer Entdeckungen gab und wie wir heute (wissenschaftlich) voranschreiten. Kernaussage war, dass der Fortschritt immer schneller voran geht. Er erlauterte das super am Beispiel des Human genome project: Als man damit anfing, musste man noch viel von Hand machen. Alles dauerte Ewigkeiten. Mit der Automatisierung und Verbesserung der Verfahren giing alles schneller. Und nachdem man dann nach vielen Jahren mit dem menschlichen Genom fertig war, konnte man mit all den Fortschritten weitere Saeugergenome in wesentlich kuerzerer Zeit entschluesseln. Heute sind 18 versch. Saeugergenome (neben einigen anderen Modelorganismen) komplett sequenziert und weitere kommen wahnsinnig schnell dazu. Was man mit diesen ganzen Daten anfangen kann, erlauterte er in einem zweiten Teil. Wow...
Ich kann nicht den ganzen Vortrag wiedergeben, aber es war auch nicht nur das, was er erzaehlte - OK, auch das war schwer beeindruckend - sondern vor allem auch mit welcher Begeisterung und Hingabe er es erzaehlte. So was hatte ich bisher noch nicht erlebt...

Um zum Anfang zurueck zu kommen: Was ich vor allem mit "Spitzenklasse" meinte, ist, dass sich hier in Boston jede Menge Colleges und Universitaeten befinden. Und die sind Anziehungspunkt fuer verschiedenste Spitzenleuten. Hier sind die versammelt, die viel bewegt und erreicht haben. Und das merkt man u.a. daran, dass dauernd irgendwo Vortraege gehalten werden, die man einfach hoeren muss. Man kann so sehr viel von der Begeisterung, Kompetenz und Erfahrung aufschnappen, die hier einfach aufkonzentriert ist... Und das ist wirklich motivierend!

Mittwoch, September 13, 2006

13. Sept: noch ein kleiner Unterschied

Nachdem Tom quasi gestern sich verabschiedet hat, kam heute der nächste Abschied dran. Denn Pedro fliegt heute abend noch zu seiner Familie nach Portugal, allerdings nur für eine Woche. Ihn sehe ich also noch wieder. Und derzeit habe ich auch genug zu tun, so dass ich auch eine Woche gut alleine zurecht kommen werde. Mal sehen, ob ich wirklich alles schaffe, was wir heute noch durchgesprochen haben...
Daneben habe ich heute noch einen der kleinen Unterschiede genutzt, die Harvard von Lübeck unterscheiden. (Gut, ich gebe zu, dass es da eine Menge offensichtlicher gibt, aber die meine ich jetzt einfach mal nicht) Denn neben dem, was von der Uni und den einzelnen Departments an Seminaren und Angeboten kommt, bietet auch die Bibliothek ein gutes Programm an praktischen Kursen bereit. Heute war ich also bei einem Kurs mit dem Titel "EndNote Essentials", also eine kurze - aber gelungene- Einführung ins Managen von Referenzen. Jetzt muss ich quasi nur noch a) schauen, wo ich eine Lizenz für das Programm nebst Programm herbekomme und b) anfangen irgendwelche Paper zu lesen, die ich dann total einfach managen kann.
Für nächste Woche habe ich mich außerdem für den Workshop "Photocomposites & Annotations" angemeldet. Allerdings fangen die meisten Kurse erst an, wenn ich schon wieder weg bin. Aber mal sehen, was ich bis dahin noch mitnehmen kann...
Übrigens: Auf der Homepage der Countway Library findet man unter "Tutorials and Study Guides" eine umfangreiche Liste an verschiedenen Tutorials und Kurzeinführungen für verschiedende beliebte Programme/Anwendungen (PubMed-Suche, Blast, EndNote, Onlineressourcen...)

Hier ist es übrigens immer noch kalt, zumindest wenn die Sonne weg ist. Der Sommer scheint also endgültig vorbei zu sein... Bleibt jetzt nur noch das Warten auf den "Indian Summer" und das Hoffen auf einen milden Herbst ;-)

Dienstag, September 12, 2006

12. Sept: lecker Essen

Heute morgen war wieder Lab-Meeting - das letzte in meiner Zeit hier. Denn ab morgen ist Tom für vier Wochen im Urlaub. Und wenn der Chef nicht da ist, dann gibt's auch keine Lab-Meetings oder Journal-Clubs. Also endlich mal Ruhe und Zeit um ungestört zu arbeiten...
Da ich allerdings vor dem Lab-Meeting noch ein paar Sachen erledigt haben wollte hieß es für mich früh aufstehen. Und als ob das nicht schon gereicht hätte war es heute morgen auch noch eklig kalt! Ohne Pullover/Jacke wäre ich heute nicht aus dem Haus gegangen. Was für ein Start in den Tag.
Und da ich Tom gesagt hatte, dass ich vor seiner Abreise auch noch gerne mit ihm sprechen würde, kam das heute auch noch. War im Grunde ein gutes Gespräch, auch wenn ich nicht weiß, was es mir gebracht hat. Zwar werde ich über ein paar Dinge noch mal nachdenken, aber das verschiebe ich (wie vieles andere auch) auf später, wenn ich mal Zeit habe...
Vielleicht in paar kleine Fakten, die ich nebenbei erfahren habe: Wußtet ihr, dass man als Harvard Professor kein Gehalt von der Uni bekommt? Die müssen sich ihr Gehalt also ständig selbst neu einwerben. Deshalb kann man aber auch im Unterschied zu Deutschland Drittmittel für die eigene Stelle beantragen. Was nun besser ist, könnte ich nun aber wirklich nicht sagen.
Als ich dann für heute mit der Arbeit fertig war, hatte ich keine Lust abends einfach nur wie jeden Tag zurück nach Hause zu fahren. Deshalb bin ich noch mal kurz in die Stadt und habe alles gekauft, was ich für ein leckeres Abendessen so brauche. Und dieses Mal habe ich Preis mal Preis sein lassen. Ich habe sogar noch einen "Liquor-Shop" gefunden - Alkohol kann man nicht einfach so kaufen, sondern nur in speziellen Läden - und eine Flasche französischen Merlot gekauft. Dabei musste ich natürlich auch wieder meinen Ausweiß vorlegen. Bin ja vielleicht doch noch nicht so alt...

Montag, September 11, 2006

11. Sept: Fünf Jahre danach

Heute ist der fünfte Jahrestag der Anschläge auf das World Trade Center und das Pentagon. Gestern abend gab es deswegen einen extra langen Film im Fernsehen genannt "The Path to 9/11". Der Film ist bereits im Vornherein in den Zeitungen diskutiert worden, da er in der ursprünlichen Version wohl die damalige Clinton-Regierung so darstellt, als ob sie fast bewußt Hinweise ignoriert hätten und auch im Allgemeinen nichts gegen den internationalen Terrorismus unternommen hätten. Auf massiven Druck hin ist der Film dann neu geschnitten worden. Übrig geblieben ist ein platter, übertrieben dargestellter Streifen über den Werdegang einiger Terroristen.
Na ja. Für heute hatte ich dann eigentlich erwartet, dass es so etwas wie Fahnen auf Halbmast oder irgendwelche andere Anzeichen gäbe. Aber hier in Boston bzw. an der Medical School ist mir nichts aufgefallen. Im Grunde war es ein ganz normaler Tag. Es gab nur - wie ihr sicherlich auch in den Nachrichten gesehen habe - die Gedenkfeiern in New York und an den anderen Absturzstellen.
Wenn ich nicht in die Zeitung geschaut hätte, hätte dieser Tag also völlig an mir vorbei gehen können. Irgendwie hatte ich da was anderes erwartet. Aber Mike meinte, dass bei vielen Amerikanern die Wunden für was anderes als das, was halt in NY war noch zu frisch sind.

Und so war das dann auch ein ganz normaler Tag für mich: Lange im Labor, keine brauchbaren Ergebnisse, zwischendurch zu einem Vortrag, spät nach Hause, Abendessen und ab ins Internet und dann später ins Bett. Muss ja schließlich morgen wieder früh raus!
Gute Nacht...

Sonntag, September 10, 2006

10. Sept: CAOS

So, heute mal kein Labor, kein stressiges Programm! Also erst mal lange Schlafen, lecker frühstücken, Zeitung lesen und dann ein wenig Blog schreiben (aber nicht zu viel (-; ).
Nachmittags fahre ich dann nach Cambridge. Pedro hatte mir von caos erzählt, was für "Cambridgeport Artists Open Studios" steht. Die Idee ist, dass man Künstler - OK meist eher Hobbykünstler - in ihren Ateliers oder zu Hause besucht, sich die Kunst ansieht, ins Gespräch kommt und evtl. natürlich dann auch was kauft. Auf der Internetseite hatte ich einige interessant klingende Beschreibungen gelesen. Also auf nach Cambridge. Ich wollte vor allem Fotographen besuchen. Und beim ersten wurde es dann auch direkt lustig. Ich habe mir seine Bilder angesehen und dann irgendwas gefragt. So kamen wir ins Gespräch und irgendwann wollte er wissen, wo ich her sei. Und dann stellte sich heraus, dass das auch ein Deutscher ist, der seit fünf Jahren in Boston lebt. Schon komisch. Aber er bestätigte, dass die deutsche Gemeinde in Boston wohl relativ stark sei, auch wenn die Deutschen sich meist nicht anmerken lassen, dass sie Deutsche sind, ganz im Gegenteil zu den meisten anderen Nationalitäten. Ist wahrscheinlich so eine spezielle deutsche Mentalität, genauso, wie wir bis zur WM auch nicht unsere Nationalfahne irgendwie präsentierten.
Die weiteren Ateliers sind dann ganz verschieden: Von einem Biologielehrer, der irgendwas blumenähnliches auf dem Niveau eines sechsjährigen malt bis hin zu sehr guten Porträts in Öl sowie einigen sehr guten Naturfotographen gibt's fast alles. Da hätte ich mir vielleicht doch mehr Zeit für nehmen sollen.
Und wo ich gerade in Cambridge bin gehe ich direkt noch mal shoppen. Ich hole mir endlich die Harvard-University T-Shirts, nach denen ich schon länger gucke. Denn welchen Sinn macht es in Harvard ein Praktikum zu machen, wenn man es nicht der ganzen Welt auf die Nase binden kann? ;-)

09. Sept: Labor und Freizeit

Wochenende! Endlich!
Obwohl: von gestern mal abgesehen, war die Woche nicht wirklich arbeitsreich. Allerdings muss man sich ja auch vom Urlaub erholen können, oder? Na ja, und die Rumlauferei in NewYork und in Boston mit Achim steckt mir auch immer noch etwas in den Knochen...
Heute also mal alles entspannter, oder nicht?
Nach dem Frühstück bin ich zuerst noch mal ins Labor. Ich wollte ja schon wissen, was aus dem Experiment gestern geworden ist. Sieht vielversprechend aus, aber dennoch muss ich auch noch mit dem zweiten Antikörper inkubieren. Heute abend dann mehr...
Da aber Wochenende ist, kann ich nicht nur im Labor bleiben! Außerdem habe ich gelesen, dass in der Stadt heute und morgen das "(ähts): The Boston Arts Festival 2006" stattfindet. Ich treffe mich also dort mit Susanne und wir bummeln an den Ständen vorbei. Da findet man teilweise wirklich richtig gute Fotos. Aber für 200$ muss ich die nicht kaufen.
Auf der Bühne wird noch mehr geboten: Zuerst Kostproben des Bostoner Ballets. Danach spielt die "The Valerie Stephens Group". Und mal ehrlich: So muss Jazz klingen! Denen sieht man die Freude am Spielen förmlich an. Wow. Und so genießen wir dann einfach eine ganze Weile die Show und das gute Wetter auf der Wiese vor der Bühne.
Am Ende der Show beschließe ich, dass ich das gute Wetter nutzen werde und heute auf die Aussichtsplattform des "Prudential Tower" fahre - 50ster Stock! (Susanne muss nach Hause, um Bernd reinzulassen, der keinen Schlüssel hat)

Von der Plattform bin ich dann aber doch etwas enttäuscht. Denn im Gegensatz zum Empire State, wo man wirklich raus kann, ist man hier nur im Gebäude drinnen und hat ständig Glasscheiben vor der Nase.
Aber davon abgesehen ist die Aussicht einfach toll. (OK, kein Vergleich zu NY, aber dennoch...)

Und hier warte ich dann auch auf den Sonnenuntergang, bzw. auf den Blick auf Boston bei Nacht. Nicht schlecht (allerdings sind mir die Bilder alle verwackelt.)
Und da ich gerade dabei bin, fahre ich auch noch mal zur „Longfellow Bridge“, von der man einen so guten Blick auf die Skyline hat - dieses Mal bei Nacht...
Das bietet mir auch die Möglichkeit mal wieder mit der Kamera zu spielen. Und nach einigen Versuchen habe ich auch wirklich mal ein Bild, dass nicht unterbelichtet ist!
Danach fahre ich noch mal kurz ins Labor. Tja, und obwohl es später Samstag Abend ist, sind immer noch ein paar Leute da. Anscheinend vertragen sich Wissenschaft und geregelte Abeitszeiten nicht wirklich (OK, das weiß ich nicht erst seit heute, aber dennoch)!

Freitag, September 08, 2006

08. Sept: reinklotzen

Die Woche über habe ich ja nicht viel geschafft - Achim sagte schon, wenn das immer in Harvard so "easy going" ist, dann kommt er auch hierhin. Aber heute werde ich mal wieder einen Assay starten. Vielleicht gibt's ja dieses Mal Ergebnisse. Aber dafür bin ich auch den ganzen Tag beschäftigt! Während des Mittagsessen läuft die Zentrifuge (habe also genau 30 min Pause), den Journalclub kann ich nutzen um die Stunde Inkubation abzuwarten, während der Happy Hour - heute mit leckeren Burritos und viel Bier - warte ich auf meine IP und als ich dann abends mit ein paar Deutschen (Susanne vom Visa-Seminar, Julia aus ihrem Labor und Bernd, ein Freund) im Pub sitze verschwinde ich immer mal wieder zwischendurch, um mein Gel laufen zu lassen oder es zu blotten.
Dennoch ist der ganze Tag eigentlich ziemlich gut gelaufen. Meine Laune war ziemlich gut.
Alex, ein Postdoc, führte mich heute kurz in die hier im Labor verwendete "Happiness-Skala" ein (wie würdest Du Deine momentane "Happiness" auf einer Skala von 1 bis 10 einordnen, wobei 1 "nearly dead" und 10 "orgasm like" bedeutet). Ich denke, dass ich am Freitag auf durchschnittlich 8,5 kam - und das obwohl ich ja fast nur gearbeitet habe...
Ach so: Gedrückt wurde diese 8,5 abends allerdings erheblich durch eine kleine Dummheit meinerseits. Im Pub konnte ich mich nicht entscheiden, welches Bier zu bestellen wäre, was bei einer Auswahl von bestimmt 30 verschiedenen auch nicht so einfach ist... Und da dachte ich mir, nimm doch einfach mal eins mit einem lustigen Namen. Also bestellte ich "old engine oil beer", was allerdings wirklich wie altes Maschinenöl schmeckte. Ein wahnsinns Spaß für die anderen.

Donnerstag, September 07, 2006

07. Sept: Alltag

Heute ist Achims Reisetag. Ich bekomme davon aber nicht zu viel mit. Denn immerhin muss er um sechs Uhr aufstehen während ich einfach noch liegen bleibe. Erst als er dann fast fertig ist, hiefe ich mich auch aus dem Bett um ihn zu verabschieden. Schade eigentlich...
Für mich bedeutet das, dass ich keine Ausrede mehr habe nur kurz im Labor vorbei zuschauen um schnell wieder zu verschwinden ;-)
Also wird es für mich ein ganz normaler Arbeitstag!
In meiner Wartezeit beschäftige ich mich mal mit den Mails, die alle so aufgelaufen sind. Und ja, ich weiß, dass ich seit fast einer Wochen nichts gebloggt habe. Meine Güte, seit ihr bereits abhängig? Nicht, dass meine Seite am Ende noch wegen erhöhtem Suchtpotential gesperrt wird...
Aber ich bemühe mich ja, das wieder gut zu machen. Habe heute Abend zumindest schon mal einen ganzen Schwung an Bildern reingesetzt, so dass ihr euch einen ersten Eindruck machen könnt, auch wenn die Kommentare noch fehlen.

Montag, September 04, 2006

04. Sept: Vogelblick


























Sonntag, September 03, 2006

03. Sept: Wolkenkratzerschluchten

Guten Morgen New York!

Was eine Nacht doch alles verändern kann: Gestern noch strömender Regen und heute herrlichster Sonnenschein bei angenehmen 21 Grad Celsius durchschnittlich. Also raus aus dem Bett, trotz der langen Nacht. Das fällt zwar schwerer als erhofft, aber dennoch sind wir früh genug auf den Beinen, um die 11:00 Uhr Bootstour durch den NYer Hafen mitzumachen. (Es gibt zwar auch eine kostenlose Fähre, von der man angeblich viel sehen kann, aber nach der Enttäuschung gestern wollen wir es nun auch richtig und nicht nur halb machen. Und so teuer ist diese Fahrt auch gar nicht.)
Und die Sicht ist atemberaubend. Zunächst geht es Richtung Brooklyn Bridge, die die erste Stahl-Hängebrücke der Welt war (mit einer Länge von 1.8km) und auch heute noch durch ihr Erscheinungsbild beeindrucken kann. Nicht umsonst ein sehr häufig fotographiertes Motiv - auch von mir. (Und auch wenn Schwarz-Weiß-Bilder veraltet erscheinen, so sind Fotoausstellungen immer noch voll davon!)
Als nächstes eröffnen sich uns wunderbare Blicke auf die Skyline von Lower Manhatten und den Financial District
bis wir am Schluß so zusagen zum Höhepunkt der Rundfahrt kommen. Dem Stahlkoloss von Frederic-Auguste Bartholdi mit dem Namen Liberty Enlightening the World besser bekannt unter Statue of Liberty! Im Sockel der Statur ist (angeblich) zu lesen: "Give me your tired, your poor, Your huddled masses yearning to breath free"
Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob dieses Motto immer noch für die Einwanderungspolitik dieses Landes steht. Was wir auf unserer Tour übrigens noch nettes erzählt bekommen: Die Statur selbst ist ja ein Geschenk der Franzosen an die junge amerikanische Nation gewesen. Das beinhaltete allerdings nicht den Sockel, auf dem die Statur ruht. Und damals gab es einen jahrelangen Streit, wer den denn bezahlen sollte, denn die New Yorker wollten die Statur wohl gar nicht so sehr... Man mag sich mal vorstellen, was aus dieser Stadt geworden wäre, wenn man das Geschenk damals nicht angenommen hätte, nur weil man keinen Platz zum hinstellen bezahlen wollte.

Auf dem Weg zur U-Bahn sind wir noch mal am Ground Zero vorbeigekommen. Bei Sonnenschein kann man keinen großen Unterschied erkennen. Wirkt halt irgenwie, wie eine riesige Baustelle mitten in der Stadt. Und das ist auch mehr oder weniger wahr. Denn bis 2010 soll hier ein neuer Gebäudekomplex stehen, der aber in Teilen noch sehr kritisch diskutiert wird.

Als nächstes Stand ein Besuch bei den Vereinten Nationen auf dem Programm, denn ich kann ja nicht nach New York fahren, ohne hier zuminest mal eine kurzen Blick auf die Bühne der großen Weltpolitik zu werfen. Wir konnten dann auch eine Führung mitmachen und kamen in die ganzen Räumlichkeiten, die man sonst nur aus dem Fernsehen sieht. Auf dem Foto zu sehen: der Weltsicherheitsrat. Der Saal der Generalversammlung wäre zwar noch beeindruckender für euch gewesen, allerdings steht dort derzeit ein riesiges Baugerüst, da das Dach undicht ist. Und das ist symptomatisch für das ganze Gebäude, das halt noch aus den Fünfziger Jahren ist...

Von der UNO aus sind wir dann zur Fifth Avenue gelaufen, immer durch diese "Schluchten", die durch die Hochhäuser links und recht frei gelassen werden. Und da die Straßen hier ganz gerade verlaufen kann man den Blick mitten in der Stadt bis zum Horizont schweifen lassen...
Die Fifth Avenue ist übrigens DIE Einkaufsstraße in New York. Alle Ketten, die Rang und Namen haben, sind hier mit Filialen vertreten: Dior, Chanel, Cartier, Apple... Kein Wunder, dass die Rockefellers diese Straße als Adresse für ihr mittlerweile weltbekanntes "Rockefeller Center" auswählten. Und da ist auch jede Menge los. Vor dem Eingang zu diesem Hochhaus stehen auf dem Plaza sehr viele Fahnen (alle???), was sehr bunt und beeindruckend wirkt.




Zu Achims Freude finden wir dort auch eine Liveübertragung der Spiele der US Open. Was ihn dann aber mindestens genauso begeistert: Computer-Tennis gegen Pong (oder so) spielen...

Irgendwann geht's dann weiter. Denn wir waren immer noch nicht dort, was als die Lunge New Yorks bezeichnet wird: Im Central Park. Als sich dieser dann vor uns erstreckt sind wir überzeugt: Dieser Park ist wirklich riesig. Und wir sehen nur einen Teil davon. Ich vermute, dass man Tage brauchen würde, um sich den ganzen Park anzusehen. Und was man auch nicht unbedingt sofort glaubt: Dieser Park ist vollkommen künstlich angelegt! Im Jahre 1857 wurde dies der erste landscaped park in den Staaten. Wie mir aber erzählt wurde, haben die "Konstruktöre" (oder wie man sie auch bezeichnen mag) Law Olmstead und Calvert Vaux hier in New York nur geübt. Denn ihr letztes Werk - das Meisterwerk - verbrachten sie in Boston... Ich muss allerdings zugeben, dass der Park mir bisher entgangen ist. Aber dann weiß ich ja, wo ich noch hin muss.
Da es mittlerweile schon langsam dunkel wird, beeilen wir uns zum Empire State Building zu kommen. Nach dem Einsturz des World Trade Center vor fast fünf Jahren ist dieses Gebäude wieder das höchste in New York. Und das beste: Man kann dort nach (fast) ganz oben fahren und einen Blick über die Stadt werfen. Da aber zu dem Zeitpunkt da wir dort ankommen, die Warteschlange um mehrere Ecken um das Gebäude reicht und die Wartezeit mit mehr als 2 1/2 Stunden angegeben wird, beschließen wir, dass wir den Besuch dann doch lieber auf den nächsten Morgen verschieben, wenn hoffentlich noch nicht so viel los sein wird.
Außerdem sind wir auch schon ganz schön geschafft. Mich würde schon interessieren, wie viele Kilometer wir heute gelaufen sind.



Aber keine Müdigkeit, denn eine Station steht für heute noch auf dem Programm: Times Square. Zwar bin ich da schon gestern gewesen, aber erstens Achim noch nicht, und zweitens kann man dieses Lichtermeer auch zweimal sehen... Und wie gestern ist es brechend voll. Man muss sich förmlich durch die Mengen schieben. Wir gehen dann in den dortigen Läden noch ein bißchen shoppen, zum Beispiel im Vergin Megastore.
Für eine Broadway-Show reicht unsere Energie dann allerdings nicht mehr. Wir fahren danach nur noch zurück zur Wohnung und legen die Füße hoch - und das vor einem Fernseher mit einigen hundert Kanälen: Zappers paradise!!!